Freitag, 30. Juli 2010
Vorhölle, vormittags
O Wall von circa 99 Monitoren im Saturn
in Bergisch Gladbach, wo noch jeder Ball
im Spiel bleibt, auch bei einzelweisem Schirmausfall
im Flachbildwald mit seinen Volksempfang-Figurn;
wo wenn die Hand von einer dieser Sportnaturn
nach oben senst: so ssst im Handgrußschwall,
so ohne angesichts der Stummfilmschaltung Rückwallhall,
in 99 Tormann-Abschlag-Deutschgruß-Positurn;
wo du dann denkst: Na schön, so spät iss schon, jetzt reichs,
am Ende eines langen Tages Preisvergleichs
gehn alle von den Wandbildschirmen aus.
Wannseh ich schonn son Spiel, wofür son teures Plasma-
LCD-Dings oder so, sich lohnt. Nee lassma.
Doch staunste schonn und finss den Weg kaum mehr nach Haus.
© Thomas Krüger, Juli 2010
Sonntag, 25. Juli 2010
Auf meine Lesebrille
Mein Rest in nikabischen Stoffen,
mein Körper ganz Augen; am Schlitz
der Nasenspitzbrille, dem Sitz
von Eingang und Ausgang, schmal offen;
von schwarzweißer Klarheit betroffen,
von Wäldern aus Riesen: hochspitz,
von Hinter- um Hintergrundblitz,
von Schattentanzstillstand besoffen:
Wie neu scheint im Lesen mit Brille
die Welt vor der Krummglaspupille,
wie spannt sie mich fest hinter Text?
Wie hüllt sie mich ein, die mich füllt,
mich zielgenau bildet, vermüllt?
Die Weltsicht ist kastenverhext.
© Thomas Krüger, Juli 2010
Hans-guck-in-die-Luft
Vermuten wir Gutes: Die wenigen, die
den Blick zum Himmel hin richten,
gehorchen dem schlichten
Drang der Besorgten; sie
würden sich nie
politisch fehlrichten
und leichthin verzichten
auf untenerguckbare Epiphanie.
Was also hemmt das blickrichtige,
kollektivistische, wichtige,
Gucken nach unten bei jenen?
Cumulonimbusausdehnen!
Ein IPad-Regenschirm Kauf
löste dies Guckproblem auf.
© Thomas Krüger, Juli 2010
Lesung des Sonetts auf YouTube
Vermuten wir Gutes: Die wenigen, die
den Blick zum Himmel hin richten,
gehorchen dem schlichten
Drang der Besorgten; sie
würden sich nie
politisch fehlrichten
und leichthin verzichten
auf untenerguckbare Epiphanie.
Was also hemmt das blickrichtige,
kollektivistische, wichtige,
Gucken nach unten bei jenen?
Cumulonimbusausdehnen!
Ein IPad-Regenschirm Kauf
löste dies Guckproblem auf.
© Thomas Krüger, Juli 2010
Lesung des Sonetts auf YouTube
Padding
Man sagt dir eine Schwäche nach,
als Frau, für wahrhaft Funktionales,
nicht allzu übertrieben Digitales.
Du weißt, wovon ich spreche?
So einfach, so bestechend flach,
berührend, wenn berührt, ein geniales
Leichtbauteil des silikonen Tales,
mit feinem Schillern auf der Oberfläche:
Ach Mama, das ist reinstes Fingerfett,
das geht mit einem kleinen Schaberset
zur Kochfeldpflege weg; und ein Verkaufsgenie
von Apples Oberflächen-Edler-Machern,
der kann das IPad-Fett gewiss verschachern:
als Implantat-Verbesserer, der Pornoindustrie.
© Thomas Krüger, Juli 2010
Lesung des Sonetts auf YouTube
Man sagt dir eine Schwäche nach,
als Frau, für wahrhaft Funktionales,
nicht allzu übertrieben Digitales.
Du weißt, wovon ich spreche?
So einfach, so bestechend flach,
berührend, wenn berührt, ein geniales
Leichtbauteil des silikonen Tales,
mit feinem Schillern auf der Oberfläche:
Ach Mama, das ist reinstes Fingerfett,
das geht mit einem kleinen Schaberset
zur Kochfeldpflege weg; und ein Verkaufsgenie
von Apples Oberflächen-Edler-Machern,
der kann das IPad-Fett gewiss verschachern:
als Implantat-Verbesserer, der Pornoindustrie.
© Thomas Krüger, Juli 2010
Lesung des Sonetts auf YouTube
Samstag, 10. Juli 2010
Was soll ich sagen?
Der Eisberg: Aus den
Fenstern des dahin-
rasenden Speisewagens im
Sommergrün der Norddeutschen
Tiefebene bei Oebisfelde ruft er
mit Staunen in
vielerlei Stimmen
durcheinander:
Wahnsinn! Da vorn!
Ein Eisberg! Ein
Zuckerhut! Nein, das ist
Eis! Sieht aus wie ein riesiger
Zuckerhut! Glänzendes Eis, so
hoch wie der Himmel!
Eisberg voraus!!
Und viele der
Stimmen aus diesem da-
hinrasenden Speisewagen zer-
splittern am Megakathe-
dralgroßen des Eisbergs, am
den Sog eines umgekippten, zum
Himmel hin aufragenden Parabo-
loids Erfüllenden mit
Ähnlichkeit zu Zuckerhut und
invertiertem, dahinwirbelnden Tor-
nado, dessen
kreisrunder Schneckenfuß die
Ebene durchfräsend sämtliche Um-
gebung von Luft und Wesenheit zu
lauen Ausweichmanövern von
Wind degradiert und ein
allererstes Wort dort
flußläufig niederschreibt
– vielleicht Mama –
in der zitternden, von
Rufen und Schreien begleiteten
Schrift eines Megaerschreckten
– vielleicht eine Gleichung –
was die kleinen Staunenden, Ver-
wunderten nahezu als Stillstand erleben
– vielleicht SOS –
was der riesigen Bewegung in ihrem
Stillstand, in ihrem
Tosen, als Wort mit Wundkern die
kleinstmöglichen Flügel verleiht
– für die größt-
mögliche Lösung der mög-
lichen Gleichung
möglicherweise.
© Thomas Krüger, Juli 2010
Lesung des Gedichts auf YouTube
Der Eisberg: Aus den
Fenstern des dahin-
rasenden Speisewagens im
Sommergrün der Norddeutschen
Tiefebene bei Oebisfelde ruft er
mit Staunen in
vielerlei Stimmen
durcheinander:
Wahnsinn! Da vorn!
Ein Eisberg! Ein
Zuckerhut! Nein, das ist
Eis! Sieht aus wie ein riesiger
Zuckerhut! Glänzendes Eis, so
hoch wie der Himmel!
Eisberg voraus!!
Und viele der
Stimmen aus diesem da-
hinrasenden Speisewagen zer-
splittern am Megakathe-
dralgroßen des Eisbergs, am
den Sog eines umgekippten, zum
Himmel hin aufragenden Parabo-
loids Erfüllenden mit
Ähnlichkeit zu Zuckerhut und
invertiertem, dahinwirbelnden Tor-
nado, dessen
kreisrunder Schneckenfuß die
Ebene durchfräsend sämtliche Um-
gebung von Luft und Wesenheit zu
lauen Ausweichmanövern von
Wind degradiert und ein
allererstes Wort dort
flußläufig niederschreibt
– vielleicht Mama –
in der zitternden, von
Rufen und Schreien begleiteten
Schrift eines Megaerschreckten
– vielleicht eine Gleichung –
was die kleinen Staunenden, Ver-
wunderten nahezu als Stillstand erleben
– vielleicht SOS –
was der riesigen Bewegung in ihrem
Stillstand, in ihrem
Tosen, als Wort mit Wundkern die
kleinstmöglichen Flügel verleiht
– für die größt-
mögliche Lösung der mög-
lichen Gleichung
möglicherweise.
© Thomas Krüger, Juli 2010
Lesung des Gedichts auf YouTube
Mittwoch, 7. Juli 2010
Erinnerung
Sommermorgen: Zylinderhuttragende Arbeiter rissen
am siebenten Dezember 2010 nach Durchfahrt der frühen
Pendlerzüge ein sechs Kilometer langes Stück Gleis
aus den Gleisen von Nürnberg nach Fürth und
umgekehrt und hielten mit ihrer stillen Aktion ein
Publikum von Birkenspannern und Windhunden und
wenigen morgenmüde nasbohrenden, gleisnah da-
hinspielenden Kindern beschäftigt - füllten dem an-
schwellenden Schichtbetrieb sein edelmetallenes Ver-
dauungsproduzieren: Geist-und-Ding-Werden, Ticken und
Singen mit vollkommener, berührungsloser Leere, Me-
tallabbau, Grube und Hase, und schufen, ent-
nahm man den bis an den Schluß der Aktion so
nasbohrend wenigen Zeugen, Gefühle surround von
glotzenden Kühen in tiefliegenden Wolken, ein unbe-
rührt von allen unfallverwandten Taktungen wattiges
kieferorthopädisches Profil in schwellender Sommer-
schwüle geschossener Tiere, die nur der König
schießen darf: eine Art Zahnarzt-Nahtod-Erfahrung
blühender Landschaft. Dann sah man nach vorn.
© Thomas Krüger, Juli 2010
Lesung des Gedichts auf YouTube
Sommermorgen: Zylinderhuttragende Arbeiter rissen
am siebenten Dezember 2010 nach Durchfahrt der frühen
Pendlerzüge ein sechs Kilometer langes Stück Gleis
aus den Gleisen von Nürnberg nach Fürth und
umgekehrt und hielten mit ihrer stillen Aktion ein
Publikum von Birkenspannern und Windhunden und
wenigen morgenmüde nasbohrenden, gleisnah da-
hinspielenden Kindern beschäftigt - füllten dem an-
schwellenden Schichtbetrieb sein edelmetallenes Ver-
dauungsproduzieren: Geist-und-Ding-Werden, Ticken und
Singen mit vollkommener, berührungsloser Leere, Me-
tallabbau, Grube und Hase, und schufen, ent-
nahm man den bis an den Schluß der Aktion so
nasbohrend wenigen Zeugen, Gefühle surround von
glotzenden Kühen in tiefliegenden Wolken, ein unbe-
rührt von allen unfallverwandten Taktungen wattiges
kieferorthopädisches Profil in schwellender Sommer-
schwüle geschossener Tiere, die nur der König
schießen darf: eine Art Zahnarzt-Nahtod-Erfahrung
blühender Landschaft. Dann sah man nach vorn.
© Thomas Krüger, Juli 2010
Lesung des Gedichts auf YouTube
Sommer
Tief hängen Leitungen: summende Leinen.
Am Starkstrom zuckt Wäsche zum Trocknen.
Hände durchbrennen aus triefendem Socknen
Zündschnüre-Inneres bauchwärts in einen
Leib voller Steine. Qua Leiter vereinen
vom Himmel hoch her sich die rocknen,
blusen- und hosenen, meta-flip-flopnen
Flaggen von Brüsten und Hüften und Beinen.
Schwer ist der Sommer von Zeitungen.
Sie fächeln sich unter den Leitungen
Rauch zu in Städten von Grün.
Offen stehn Häusergespenster.
Im Brennpunkt der Türen und Fenster
feuerlochfüllend steht Glühn.
© Thomas Krüger, Juli 2010
Lesung des Sonetts auf YouTube
Tief hängen Leitungen: summende Leinen.
Am Starkstrom zuckt Wäsche zum Trocknen.
Hände durchbrennen aus triefendem Socknen
Zündschnüre-Inneres bauchwärts in einen
Leib voller Steine. Qua Leiter vereinen
vom Himmel hoch her sich die rocknen,
blusen- und hosenen, meta-flip-flopnen
Flaggen von Brüsten und Hüften und Beinen.
Schwer ist der Sommer von Zeitungen.
Sie fächeln sich unter den Leitungen
Rauch zu in Städten von Grün.
Offen stehn Häusergespenster.
Im Brennpunkt der Türen und Fenster
feuerlochfüllend steht Glühn.
© Thomas Krüger, Juli 2010
Lesung des Sonetts auf YouTube
Sonntag, 27. Juni 2010
Sommerfest
Der Bundespräsidentenfilter: lauter als die vielen Lüfter
von reifer oder älter gewordenen Prozessoren unter den
Schreibtischen und inneren Gartenbänken. Wind durch die
feinen Poren des freiheitsstatuenäquivalenten Runds,
das nicht rund ist: Wind, der nicht Wind ist, brennstaben-
gerade, durch enge Vuvuzela-Gänge längergezogen und
fröhlicher klagend, als die edel verkleideten Maschinen mit ihren
geheimhaltbaren Mechanismen von Hauen und Treten im Inneren:
listen and learn: von den Gartenfesten, Männern und Frauen in
Ämtern & Würden: Hussen, fein und fett über angedeutete Ausbruchsver-
suche von bild- und skulpturgewaltigen Schweinereien gezogen:
Der wieder so sichtbar gewordene Clark Kent in sämtlichen
Stadien des Hand-an-sich-selbst-Legens vor seiner beständig im
Off bleibenden endgültigen Verwandlung: Insektenklänge.
Bis hinein in das nanotechnische Atemluflose: das allumfassende Ver-
stopfen und schließlich die Super-Mario-Monteure von draußen,
die Vielen, die aussehen müßten wie Pornodarsteller ante portas:
gummistiefeltragend. Mein Gott, welcher Jubel.
© Thomas Krüger, Juni 2010
Lesung des Gedichts auf YouTube
Der Bundespräsidentenfilter: lauter als die vielen Lüfter
von reifer oder älter gewordenen Prozessoren unter den
Schreibtischen und inneren Gartenbänken. Wind durch die
feinen Poren des freiheitsstatuenäquivalenten Runds,
das nicht rund ist: Wind, der nicht Wind ist, brennstaben-
gerade, durch enge Vuvuzela-Gänge längergezogen und
fröhlicher klagend, als die edel verkleideten Maschinen mit ihren
geheimhaltbaren Mechanismen von Hauen und Treten im Inneren:
listen and learn: von den Gartenfesten, Männern und Frauen in
Ämtern & Würden: Hussen, fein und fett über angedeutete Ausbruchsver-
suche von bild- und skulpturgewaltigen Schweinereien gezogen:
Der wieder so sichtbar gewordene Clark Kent in sämtlichen
Stadien des Hand-an-sich-selbst-Legens vor seiner beständig im
Off bleibenden endgültigen Verwandlung: Insektenklänge.
Bis hinein in das nanotechnische Atemluflose: das allumfassende Ver-
stopfen und schließlich die Super-Mario-Monteure von draußen,
die Vielen, die aussehen müßten wie Pornodarsteller ante portas:
gummistiefeltragend. Mein Gott, welcher Jubel.
© Thomas Krüger, Juni 2010
Lesung des Gedichts auf YouTube
Troja, Februar 2010
Heinrich Schliemann starb in der Saarstraße 12, an einem Tag, als
Bob der Baumeister nicht mehr weiterwußte. Es war Winter.
Der Hinterhof von Schliemanns Tod lag knöcheltief unter dem
Schnee von Beschwörungen, in dessen Krähenbetripplung Alz-
heimer-Heinrich, wie Nachbarn und örtliche Jugendbanden
den alten Mann seit Jahren nannten, sich Stunden zuvor noch
herumtappend vergänglich gemacht hatte: barfuß und radikal.
Bob der Baumeister hatte gesprochen, und die Fernsehapparate
der Welt waren entflammt wie von selbst, und Sophia Schliemann
lag im letzten Glanz eines ausgeglühten Quasi-Wahlkampfauf-
tritts Bobs im Bett: doch sah sie wohl, dass H. in Unterhosen,
sockenlos, das gemeinsame Wohn- und Schlafzimmer verließ.
Sie schloß die Tür. Die Krähen flogen auf und Heinrich ging
mit Spaten, nur im Hemd, ins weiße Beet und züchtigte den Kohl,
der gar nicht da war, warf die Mischmaschine an, die da war seit
der Nachbar nebenan im harten Friedhofsboden lag: besiegt.
Der Weg war frei für Heinrichs U-Bahn-Bau auf altem Muni-
tionsfabrikenuntergrund, in dem er dann und wann ein Stück
Gebiß, den einen oder andern Goldzahn oder Knochen fand,
doch dank der Krankheit merkte er das nicht. Er sammelte, und
alle Knochen wurden ihm zu Teilen einer Flugmaschine, die er
nachts im Schuppen nah der Grube aus dem Plan im Kopf als
breite Flügelkonstruktion versuchte nachzubaun, bespannt mit
klassisch klein karierten Tüchern fürs Geschirr, die seine Frau schon
länger irgendwo im Schuppen vermutete. An diesem Tag, als Bob
gesprochen hatte in den frischen Schnee und als die Tür ins
Schloß fiel, schnallte sich Schliemann die fertigen Flügel um und ver-
änderte die Botschaft der Krähenfüße, bevor er die schmale
Betoneinfassung des Komposthaufens bestieg und strauchelte und
zu Tode stürzte – in der Verzögerung des Erfrierens. Doch ein
Teil seiner selbst begann zu entschweben, verflog wie die
Essenz eines Geschirrtuchs, das mit Flugbenzin getränkt im
kalten Garten lag und steif und immer steifer wurde, und ein
Steif- und immer steifer Werden weitergab in alle Richtungen, von
diesem Ort, von dieser Stunde aus. Es dauert an.
© Thomas Krüger, Juni 2010
Lesung des Gedichts auf YouTube
Heinrich Schliemann starb in der Saarstraße 12, an einem Tag, als
Bob der Baumeister nicht mehr weiterwußte. Es war Winter.
Der Hinterhof von Schliemanns Tod lag knöcheltief unter dem
Schnee von Beschwörungen, in dessen Krähenbetripplung Alz-
heimer-Heinrich, wie Nachbarn und örtliche Jugendbanden
den alten Mann seit Jahren nannten, sich Stunden zuvor noch
herumtappend vergänglich gemacht hatte: barfuß und radikal.
Bob der Baumeister hatte gesprochen, und die Fernsehapparate
der Welt waren entflammt wie von selbst, und Sophia Schliemann
lag im letzten Glanz eines ausgeglühten Quasi-Wahlkampfauf-
tritts Bobs im Bett: doch sah sie wohl, dass H. in Unterhosen,
sockenlos, das gemeinsame Wohn- und Schlafzimmer verließ.
Sie schloß die Tür. Die Krähen flogen auf und Heinrich ging
mit Spaten, nur im Hemd, ins weiße Beet und züchtigte den Kohl,
der gar nicht da war, warf die Mischmaschine an, die da war seit
der Nachbar nebenan im harten Friedhofsboden lag: besiegt.
Der Weg war frei für Heinrichs U-Bahn-Bau auf altem Muni-
tionsfabrikenuntergrund, in dem er dann und wann ein Stück
Gebiß, den einen oder andern Goldzahn oder Knochen fand,
doch dank der Krankheit merkte er das nicht. Er sammelte, und
alle Knochen wurden ihm zu Teilen einer Flugmaschine, die er
nachts im Schuppen nah der Grube aus dem Plan im Kopf als
breite Flügelkonstruktion versuchte nachzubaun, bespannt mit
klassisch klein karierten Tüchern fürs Geschirr, die seine Frau schon
länger irgendwo im Schuppen vermutete. An diesem Tag, als Bob
gesprochen hatte in den frischen Schnee und als die Tür ins
Schloß fiel, schnallte sich Schliemann die fertigen Flügel um und ver-
änderte die Botschaft der Krähenfüße, bevor er die schmale
Betoneinfassung des Komposthaufens bestieg und strauchelte und
zu Tode stürzte – in der Verzögerung des Erfrierens. Doch ein
Teil seiner selbst begann zu entschweben, verflog wie die
Essenz eines Geschirrtuchs, das mit Flugbenzin getränkt im
kalten Garten lag und steif und immer steifer wurde, und ein
Steif- und immer steifer Werden weitergab in alle Richtungen, von
diesem Ort, von dieser Stunde aus. Es dauert an.
© Thomas Krüger, Juni 2010
Lesung des Gedichts auf YouTube
Freitag, 25. Juni 2010
Ei-Ei-Ei
Dein Blick ist von der Dunkelheit der Shades
so blöd geworden, dass man denkt, dich traf
ein Schlaganfall von Coolness, armes Schaf.
Die Pipeline aus dem IPod pumpt Tom Waits
um ein Bedauerfunksignal von „NO BILL GATES“,
und manchmal, wenn dein Kopf sich rückwärts warf,
und seinen I-Phone-Seifenstück-Bedarf
am linken Ohr stillt, wünscht man Norman Bates
als Sidekick an den Ego-Duschvorgang.
O Held des I-Tech, abseits von Empfang,
nun schieb dir deinen Faustkeil in den Arsch,
Big Brother kann, nach jahrelangem Marsch,
dich dennoch schnell und einfach orten.
Das schluck – mit einem Eimer Ei-Verpoorten.
© Thomas Krüger, Juni 2010
Lesung des Sonetts auf YouTube
Dein Blick ist von der Dunkelheit der Shades
so blöd geworden, dass man denkt, dich traf
ein Schlaganfall von Coolness, armes Schaf.
Die Pipeline aus dem IPod pumpt Tom Waits
um ein Bedauerfunksignal von „NO BILL GATES“,
und manchmal, wenn dein Kopf sich rückwärts warf,
und seinen I-Phone-Seifenstück-Bedarf
am linken Ohr stillt, wünscht man Norman Bates
als Sidekick an den Ego-Duschvorgang.
O Held des I-Tech, abseits von Empfang,
nun schieb dir deinen Faustkeil in den Arsch,
Big Brother kann, nach jahrelangem Marsch,
dich dennoch schnell und einfach orten.
Das schluck – mit einem Eimer Ei-Verpoorten.
© Thomas Krüger, Juni 2010
Lesung des Sonetts auf YouTube
Mittwoch, 23. Juni 2010
Deftiger Brotzeitteller
Gewürzgurkenvakanz bei 280 Sachen.
Die Stille der Schinken-Scheiben.
Brennwerte. Zitterndes Liegenbleiben
von Schlangengurke beim Streckemachen.
Zug und Gedanken lassen es krachen.
Zahnlosigkeiten um all die Scheiben
von Welt und Wurst. Wir treiben
um Gurkenverluste im Flachlandrachen.
Schnellschlucken und Schienengetöse:
Ein Rest von Schwarzbrot, Wurst und Käse
verschwindet. Die Schlangenware,
bleibt weiterhin liegen. Ich fahre,
vermisse den Biss in würziges Grün.
Der Zug rast ziellos nach Berlin.
© Thomas Krüger, Juni 2010
Lesung des Sonetts auf YouTube
Plato verkennt die Realität
Das iPad galt bei Demokrit
als klarer Fortschritt, als aus Pad-
Atomen für ein High-Tech-Tipp-Gerät
atypisch seelenvoll gebautes Mac-Teil mit
der Mitteilung von Nicht-Durchschnitt;
Design an sich und päd-
erastlos einsetzbar, für Demokrit ein päd-
agogisch bitgewaltig geiles Zeichenkit.
Er saß ganz ungeteilt dahinter, touchend,
was Plato später, Demokrit abwatschend,
ein Unding nannte: Tafelperfidie.
Den Jungs in seiner Jung-Akademie
erklärte er, das Ding, bei Ding-Ansicht,
sei nur ein Schatten seiner selbst. Mehr nicht.
© Thomas Krüger, Juni 2010
Lesung des Sonetts auf YouTube
Das iPad galt bei Demokrit
als klarer Fortschritt, als aus Pad-
Atomen für ein High-Tech-Tipp-Gerät
atypisch seelenvoll gebautes Mac-Teil mit
der Mitteilung von Nicht-Durchschnitt;
Design an sich und päd-
erastlos einsetzbar, für Demokrit ein päd-
agogisch bitgewaltig geiles Zeichenkit.
Er saß ganz ungeteilt dahinter, touchend,
was Plato später, Demokrit abwatschend,
ein Unding nannte: Tafelperfidie.
Den Jungs in seiner Jung-Akademie
erklärte er, das Ding, bei Ding-Ansicht,
sei nur ein Schatten seiner selbst. Mehr nicht.
© Thomas Krüger, Juni 2010
Lesung des Sonetts auf YouTube
Samstag, 12. Juni 2010
Beim Betrachten eines Fotos von
PG Wodehouse und Herbert Grierson,
Der Grundgewißheit strenges Alphabet
ist wie ein alterndes Gebiß:
bei jedem Driss
fällt etwas, das bekrönt da steht
im allseits breigefüllten Kaugerät
schnell aus. Dann muß
ein neuer Schluß
die Lücke schließen – Wie das geht?
Man nehme da zum Beispiel das Axiom:
Nach allem Für und Wider ist es das Genom,
das Mensch und Tiere unterscheidet. Gut.
Dann folgt die Probe, die danebengeht.
Und aus der Lücke, die entstanden ist, entsteht:
Es ist – nach allem Für und Wider – wohl der Hut.
© Thomas Krüger, Juni 2010
Lesung des Sonetts auf YouTube
Freitag, 11. Juni 2010
Die Krieger aus den fernen
frikastralischen Gefilden,
lassen uns nicht in Ruhe mit ihren
Ungebildetheiten und
nutzen nun
I-Phones als Pfeilspitzen und
stehen vor Wien:
Oh!
Die Dinger sind schärfer geworden:
die Krieger aus den fernen
frikastralischen Gefilden
nutzen die I-Phones
der neuesten Generation.
© Thomas Krüger, Juni 2010
Du hältst Dir einen Igel ans Ohr,
und während du Hallo? sagst,
grüßt schon der Tag und deine
Hand, die blinde,
erschrickt zum Topfdeckel
der Marke I-Phone,
fällt ins Laub unter den
Urwaldbäumen auf dem hohen
Frauenbrusthügel
hinter Aschaffenburg um 9 Uhr 40.
Freizeichen und Panther: vom
Vorübergehn der Stäbe
bist du solch ein Floh geworden,
daß dich nichts mehr hält.
Kein Husten hör ich,
Iglein, Iglein in der Hand…
Hallo?!
Ich dachte,
ich schlafe noch,
aber dann...
mein teures, mich
bedeutend machendes
Nebenmir – im Irgendmeer
unter den Sitzen...
© Thomas Krüger, Juni 2010
Testlink
und während du Hallo? sagst,
grüßt schon der Tag und deine
Hand, die blinde,
erschrickt zum Topfdeckel
der Marke I-Phone,
fällt ins Laub unter den
Urwaldbäumen auf dem hohen
Frauenbrusthügel
hinter Aschaffenburg um 9 Uhr 40.
Freizeichen und Panther: vom
Vorübergehn der Stäbe
bist du solch ein Floh geworden,
daß dich nichts mehr hält.
Kein Husten hör ich,
Iglein, Iglein in der Hand…
Hallo?!
Ich dachte,
ich schlafe noch,
aber dann...
mein teures, mich
bedeutend machendes
Nebenmir – im Irgendmeer
unter den Sitzen...
© Thomas Krüger, Juni 2010
Testlink
Der Krieg
Der Krieg, der moderne, mit seinen
unglaublichen Waffen, gehört zu den smarten
Schwiegermütterlieblingen, kaum zu den harten
Jungmanagern in Nadelstreifen.
Mädchen läßt er schlagartig reifen,
Jungs können es gar nicht erwarten,
zu trinken mit ihm. Ich mag seine zarten
Hände, die langgliedrig feinen.
Day after day we invest our Dorian-Greyness
in his strength and his gayness...
Dem Krieg sind 5 Stunden Schlaf genug für sein Wesen.
Sein sauberer Schreibtisch beweist, er schließt
die Lücken, die andere reißen. Der Krieg genießt,
was seine Touchscreen-Finger in uns lösen.
© Thomas Krüger, Juni 2010
Dienstag, 8. Juni 2010
Der Geist
Du kannst eine Lümmeltüte
auf deinen Max setzen.
Du kannst auf den Dax setzen,
Frauen in toxischer Dauerblüte
powerbetüten,
Aktien & Nacktien
anziehen & ausziehen:
es wird dir nichts nützen, das Wüten,
weil:
keine Ahnung: weil,
dings,
weil:
du weißt schon: weil
nun sag schon... steht links.
© Thomas Krüger, Juni 2010
Lesung des Sonetts auf YouTube
Friedenspfeifen...
Im Land der Wasserkocher
pfeifen in Hütten–, Palästekantinen
Küchenmaschinen
in Tönen, die Dünnbrett-Locher
verbrochen.
Dünnbrettlöchernes Greinen,
könnte man meinen,
von Pfeifen statt Köchen.
Und doch ist pures Futur
des Küchenmaschinenparks erste Natur.
Wer ließ dann an diesen die Nieten?
Ach nein, es ist schlimmer:
von Küchen kein Schimmer
kochen Eliten.
© Thomas Krüger, Juni 2010
Lesung des Sonetts auf YouTube
Regierungsbeteiligung
Du bist so müde, phantasierend, im Hotel…
Auf fernen Bonner Trimm-Dich-Rädern sitzt
von West-Regierung Restliches und schwitzt
so wie man schmilzt. Es ist noch hell,
im gleichfalls fernen Kanzleramt – und still.
Das Licht dort flackert, wenn ein Quentchen West,
ein Strampelndes, sein Trimm-Gerät verläßt
und abtritt und was Leichtes mit Becel
zu Abend ißt und schlafen geht
und sich nach Osten zu den Schafen dreht.
Doch geht das Licht nicht aus. Das Amt ist groß.
Du bist so klein. Dein Zimmerlein
läßt noch den feinsten Rest von Kanzlerschein
hinein – und ist er blaß und evangelisch bloß…
© Thomas Krüger, Juni 2010
Lesung des Sonetts auf YouTube
27. Mai 2010 – 23:20 – ZDF (Sonett mit Lunte)
ein Beitrag zur laufenden Papierflugmeisterschaft
der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
Sonett, dir glückte hier ja fast ein Senkrechtstart,
so leicht bist du, so feingefeilt, so filigran:
Skelett des Phönix, lichtgleich, auf Papierflugbahn;
kein kritisches Gewicht zuviel zur Himmelfahrt
in dieser windgeschützten Halle: aufgebahrt,
auf stummen Flügen voller Kindergarten-Charme;
wo niemand nie ein störendes Hatschi! vernahm,
nur Schweben sah: so Bombiges, verunsichtbart.
Hier wirkt ein Frieden, alles Störende verpufft
so folgenlos. Hier steigt ein frommer Duft,
ein brandneu süßer Hauch von Luftgeburt.
Hier gehst du auf, Sonett, bist ach so nett
hier nichtzusehn – und nach dem Schluß-Terzett
bleibt nicht mal Wüstenwind. Nur heißes Nichts. Ein Fur(t)-
zzzzzz
© Thomas Krüger, Juni 2010
Abonnieren
Posts (Atom)
Follower
Blog-Archiv
-
▼
2010
(38)
-
▼
Juli
(7)
- Vorhölle, vormittags O Wall von circa 99 Monitor...
- Auf meine Lesebrille Mein Rest in nikabischen St...
- Hans-guck-in-die-Luft Vermuten wir Gutes: Die wen...
- Padding Man sagt dir eine Schwäche nach, als Frau...
- Was soll ich sagen? Der Eisberg: Aus den Fenster...
- Erinnerung Sommermorgen: Zylinderhuttragende Arbe...
- Sommer Tief hängen Leitungen: summende Leinen. Am...
-
▼
Juli
(7)
