Sonntag, 28. Februar 2010
I'm a poor lonesome cowboy
Morgen will ich meinen Panzer Jolly Jumper reiten: im
Wärmebild des Zielgerätes werden wir vielleicht nicht jedes
Hindernis erkennen, aber plattmachen werden wir es.
Sein breiter Rücken, vibrierend unter meinem Gesäß, seine
löwen-, drachen-, ziegenerschreckende Schwere werden
Wanne und Granaten in den Äther heben: Jolly Jumper.
Jolly, mein Schlachtroß, wird Rußwolken husten, ich werde
kettenrauchen. Genießen werden wir: reiten, fliegen,
schwimmen, Witze reißen und Sprit fressen: Jolly und ich.
Bollernd durch den Endlosgag des Bildausgangs, den die
Großstädte von morgen an bieten werden, werden wir
mauerbrechend und feuerlegend Szene für Szene verlassen.
Ich werde Jolly als übergewichtiges Fliewatüt mit elegischen Ver-
bundpanzer-Eigenschaften und mich als Sonnyboy mit Neigung
zu sammelbandfüllendem Selbstbetrug zusammenhalten.
Ein Team im Alptraum der frühmorgendlichen Rush Hour: zu
Windmühlenflügelgefühlen an Jollys Nüstern und totaler
Schwärze vor meinen Kanonenrohrkunststücken werden wir lachen;
singend vor Reisebüros, ungebunden und immer neugierig
werden wir Mancha und Prärie mit Kugeln belegen, den
Hindukusch und die Fußgängerzonen nach Ladenschluss
mit Dauerfeuer in einem Lied voller Einsamkeit und leuchtspur-
ziehender Melodie, kometenhaft, und Jolly wird hinter der letzten
Stalltür limonadetankend mich ansehen. Wir werden dann sehen,
wie es wirken wird auf uns. Dann werden wir sehen.
© Thomas Krüger, Februar 2010
Dienstag, 23. Februar 2010
KÄFIGSONETTE
Erster Teil : Sonett Nummer 7
Tum : das ists : Gräben müssen : nicht schlecht sehen und Milch könnte nicht zufällig in einem
Anspitzer diesen als zuständig erkennen : wie der Anspitzer und mögliche Notwendige :
Dichtung und Wahrheit in Motoröl und Motorola : Botox Boxenstop : zum Tümen bestellt :
Weltkrieg I und Weltkrieg II erleben die größte Krise seit Beginn der Krisenzeitmessung :
schlechte Milch ist ein frühes Zeichen : Maskulin : Femotherapie aus Helsingör zum Beispiel
wird alles kälter : die Kleinwagen ach Schnauzen : sie lassen den Stau doch stimmen : wie Wein
auf Brot macht den Mai versagen : Grüftemoder : Rühmkorff : das ists : Einzelteile im Pudding
an sich an die Wand nageln : denn Heimwerkermeister sind : wer uns nicht kennt : ein Stück
Frühe : Jünger : Apfelbug und je nach Messertiefe ein Stich : ein ersaufendes Stahlstück :
Wäscheleinchen : Schnitt : Schnitt : Schnitt : die längste Grade zwischen Erblindungen : zwei
im Unendlichen : Apfelmilch und Fische : schlecht für die Fische : das schlecht in sich
reingucken Können : daß von den Fischen ein Schatten fehlt : wo Milch sich zur Tür raus :
Pyrrhusbanditentum da draußen : wo Botoxikologen schon lange wie blöde doch : wo aber
Blindes ist : streckt das Wettende sich aus : Bumsen : das ists.
Sonett 1962
Ich höre die Immerdüsenjäger : die ihre Vorräte mitnahmen : solange von einem Himmel von
ihnen so vieles abfiel : die Schnäbel : mit Schnabelsüße gestählt : so kleine : sich bücken und
danken : Diamanten zu sagen : stirb mir nun schön : Die Füße sind Schrifte : Berge von Schnee
in einem über dem Herzsteinharten an die Kralle zum Krallenspiel gelegten : Die Immer-
düsenjäger : Höre ich sie nicht : Das Erdkugelende : Nach drüben : Nach drüben schmecken :
Nahdrübenerfahrung : Feuerwerfender Schmetterling : bebrennbare Nähe an deinen Flügeln :
totale Luft ist daran : ein Feuerverführer von Herren : Sommerklebe und zurück : Das Buch :
mich auszusetzen im Kreischen der kleinen Schnäbel : Die Feuer drin schaufelt den Atem darin
: Näheres : Glasige kleine bunte Kugellunge : Wurmschnabelinge : So ohne Himmelohne ist
keine Haut und der Himmel die Faust und die kleinen frierenden Fingerspitzenschnäbel :
Panzerfahne : läßt mich der Atem mir unwidernachbarwahnsinnshohe Berge von letzter
Schnabel- kleinster Schnabelnähe die Knochen brechen im Kissen von Abgrund an Abgrund :
Fülle den Pflanzensaft mit Deinem : aus Heu und aus Stroh : Quetsche die Pickel in Waben aus
Waben in Pickel die Freizeichen : Immerdüsen : Stopfeuer so süßes : abfallendes Kind
Sonett: Regierungsbeteiligung I
No-Nebel : die Regierungs-Erklärungs- vom Vorübergehn der Stäbe : In Kurzarbeiterformen
tauchen : naja: die sollen das Pflugscharren mit den Schwertern mal klimaforscher : von
Burbank ist gestern wieder ein Schock Maskierte : die aber den Saal und den Erdkreis im
Karren gegen die Jungs aus Chicago : die Anglikanische Kirche : No Logo : Bolero : Oni und
Boni : Holterdie : Aber den Satz vom Ganzen : O Gott : der Staat sagt nebelkerzengrade Bitte
umsamkeit : Termiten mit immergleichen : Alle müssen Gesichtern : Speicheln dich du hohes
Mittelschiff am Hindukusch vom Ganzen : Streichelzoo : Notstanzen ficken den Boden wir
Deine Namen und Irren : Tanzen und Bonzen : Lobeden 21 : so feste ne Burg : du : Aber den
Schuh um den abgerissenen Fuß : Mein Mädchendrama : Senkung Meine Damenun Tarier vor
aufgefahrener Titanic nicht : Wir sagen dem Kampf den Norman-Kontrollverfahren : über allen
Witzen ist Ruhe : Bitte du Vogelkäfig : Spezialdemokratentum : so müd geworden : dass es
keine Welt : aber ein Wort hat das Rettungsmaßnehmen da unten in Hintertausend: 1000
Hosen : kein Held : die tosenden Käseglockenunternehmensetzenden : die so und ach so
Vielen : Sitz und Gesetz und Witz und Geschwätz : Das Geschäftemachen : Verzeichnet Lachen
Fahrt durch die Kölner Bucht bei Tagesanbruch
Der Mauerverband ist nicht brennbar : die DNA dieser Dinge in Fehlstellungen : Abriß-
wänden : Dämmungsschimmer über der Börde und Schlieren schwarzen Kaffees aus den Ferne
werdenden Filterspitzen des Doms : Zwischenlösungen dauern : und Fahrplanhimmel : die
Modeplakate am Bahnsteig : 7 Tage sind nicht verhandelbar : tornadoschlanke Menschen im
Notbremsmodus : Erfrieren und Frühstücken und Verschwinden : Geburten : die Verbrechen
am Tod : die Weite ist Übergröße : Luftschwachsinn : wie wenige Lebensmittel den winzigen
Nagern da draußen eingefügt in dieser Irrenhausweite : wie viele Tiere ergeben ein kleines Gift
und Stücke von Fell : ihr Blut zu zapfen den Herrschergeschlechtern der schönen Geschichten
von gestern : König A trifft König B und siegt bei C für D : die Sonne ist aufgegangen : nicht
brennbar und hüllenlos : sind Risse in diesen SS-Geländen in denen wie Flüsse Ruhe herrscht :
das Braun ist den Stromgesellschaften kaum zu nehmen : Tunnelfahrten in Kernferne :
Blaulichterloser Einfluß auf wenige Indianerhorden : Piratenschifflose : Vier- oder Fünfjährige
kaum noch herausragend aus ihren Mausefallen und Bäume solange sie laublos sind : im
Leerezug geschichtenerzählende Laubsäge-Bauern mit Fahrkarten für das Draußen da : Herrgott
© Thomas Krüger, Februar 2010
Samstag, 20. Februar 2010
Die Bedingtheit der Welten
Fixsternhimmel, verirre dich zu Tannen und
Blechwanne im Tal bei der Lichtung mit Kuhgehirn.
Brillenschlund: Wangenrand, Jochbein und Denkerstirn.
Schlucken und spucken. Strömung im Mutterfischmund.
Nadeln und Ameisenbeine. Mount Larvensterngrund.
Kreisverkehre. In Nah- und Ferntunneln schwirren
Boten auf Blutkurs, schlagen die Schwänze, irren die
Ich-Tiere durch Q-Molluskes. Bodengewimmel…
Stille Kuh, was siehst du, im Dunkel der Kuhstille?
Im Laufkreis will ich mich drehn auf dieser Ruhestelle,
Wagenräder sehn und das Wasser in Wrackteilen.
Fischen will ich. Schauen. Wolken. Weiße Zähne flitzen
rein und raus. Bei Sternen im Tal, da werde ich sitzen,
solange die Blutkörper suchen und weitereilen.
© Thomas Krüger, Februar 2010
Lesung des Sonetts auf YouTube
Montag, 8. Februar 2010
Parallelwelten
für Helene Hegemann
Der Stempel, der auf meinem Schreibtisch hängt,
in seinem Stempelhalter, lebt im Drogenwahn
und sah schon manchen Kumpelstempel tot sich fahn,
im Rausch, wie ich hier ab mich schreibe; wo er selbstversenkt
so vor sich hin headbangt
und Komaphantasiiin kennt und subkutan
synthetisch optimiertes Yucatan,
und was dem Stempel sonst noch Stempelträume schenkt…
Der Stempel ist ein Wahnsinn, ungeheuer
sind seine Mehr-als-Butt-Plug-Abenteuer.
Er hängt hier still, doch eine stahldurchzäunte Fresse,
in Stempels Welt und meinem Schreibtischlampenschein,
sagt: komm in meinen Partysarg Berghain.
Mann, Stempelchen: du kennst die richtije Adresse.
© Thomas Krüger, Februar 2010
Montag, 25. Januar 2010
Neulich im DM
Ich frage mich, was gehn mich meine
Massentötungen von gestern an?
Was nimmt Christine Westermann
für ihre biologisch abbaubaren Beine?
Die sind wohl kaum so cellulid wie meine.
Ob man den Klimaschutz mal testen kann,
bei diesem Achselspray mit Puma-Bann?
Kein Tier soll leiden. Nicht mal Schweine.
Vielleicht Kosmetik aus Afghanistan?
Naturkosmetik? Um den Taliban
zu schaden. Feuchtigkeit besiegt das Böse,
Volumen-Serum, schick von Udo Walz
und Avocado-Lotion für den Falten-Hals.
Die Tube paßt auch schön in meine Tasche.
© Thomas Krüger, Januar 2010
Donnerstag, 14. Januar 2010
Ichthyotisches Sonett
Dann verstanden die Fische die Sprache der Tretboote:
die Flächen der Tretbootverdunkelungen –
lernten die Jungen – hätten geklungen
wie Klatschen mit höherer Seenote,
bevor ein tretbootverdunkelter Fischbote
die Bootsignale als himmelsdurchdrungene
Warnung heiliger Seezungen,
als Zeichen deutete: die Fischwelt verrohte!
Je roher der Fisch, desto schlechter,
warne ein Rechteck-Gerechter -
so quatschte der Fisch.
Das Rechteck als Zeichen des Tischs
erfordere Garung des Fischs.
Dann käme der Fisch auf den Tisch.
© Thomas Krüger, Januar 2010
Donnerstag, 7. Januar 2010
Deutsches Museum: Otto
An Spinnweben, der du da hangest,
drumherum Museum und wiederum
drumherum unmuseales Beben, um
welches Sphären kleben, und drumherum
wahrscheinlich Gottwahrscheinlichkeit und
drinnen Nach-draußen-Glauben, auf
Luftbewegungen, Fliegen, kleinen
Wirbelungen, Bekreuzigungen, heim-
lichschnellen, und drinnen Dunkel-
Luft und drumherum die Knochen und
Knochenbrecher und so und Fliegen-
Beben und Flügel-Heben und -Sinken und
Schnelles, Allzuschnelles und Weben und
Weben. Ogottogott.
© Thomas Krüger, Januar 2010
Montag, 4. Januar 2010
Erkenntnis
Im Bahnhofs-Bistro Tutzing hängt von Casablanca
ein Blechschild mit dem Bild von Bergmanns Ingrid.
Man weiß nicht, wer den Wirt zu diesem Ding riet,
es wirkt wie ein ins Flach gelegter Anker.
Darunter saß, als ich es sah, ein Punker.
Sein Weißbier zog, wohin es Biere hinzieht:
es feuchtete im Geist von Let dat Ding bleed
den Hocker mit – naja: mit feuchtem Schanker.
Ich kam und sah und dachte: Gott, ein Punk;
besoffen, übelriechend, harmlos – Gott sein Dank;
ein Teil der Kraft, auf die wir schworen – lange her.
Ich sah in deine Augen, Blechschildschöne;
ich hoffte, dass er sich auch weiter still zudröhne,
und war ganz aufgeregt reaktionär.
© Thomas Krüger, Januar 2010
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… coming over the Starnberger See …
T. S. Eliot
Am Firmensitz von McDonalds in Bernried am Starnberger See bemängelte der CEO des Unternehmens, Charles Dexter Stickbeef Buschman Junior III, die nächtliche Wirkung der maisgelbgoldenen M-Reklame, leuchtend von ihrer kilometerhohen Siegessäule auf dem nahen Ilkaberg, reflektiert von der leise gekräuselten Seefläche – und tatsächlich: starrte der Vorstand doch abends geschlossen aus dem Hochsitz-Panorama-Seeseiten-Fenster des Teehauses im Bernrieder Anheuser-Busch-Woods-Stiftungs-Park, von wo aus Big M die Burger der Welt koordinierte, und sah, daß es völlig verschwommen und nicht zu genießen war: ein maisgelbgoldenes, in viel zu viel cholesterinfetter Butter zerlassenes M auf der Wasserfläche zwischen Bernried und Seeshaupt am Südufer des Firmengewässers. Der Vorstand unter dem Vorsitz von Charles Dexter Stickbeef Buschman Junior III ließ darob zur Markteinführung des CO2-freien Fischburgers Ludwig Zwo die Technik der allerneusten Leuchtreklame teilhaben am neuen Zeitgeist der unbegrenzten Möglichkeiten und installierte in Kooperation mit Apple Inc. – d.h. dem höchstpersönlichen Steve – there’s one more thing – Jobs und seinen Jüngern – auf der Siegessäule hoch oben auf dem Ilkaberg, ein fluido-mobil-stationäres, gigantisches M, dessen quicksilbrige – genauer quickmaisgelbgoldene – Reaktionen auf die Reflexionsmuster des gekräuselten, kabbeligen, gischtbetupften bis stürmisch bewegten Seewassers ein unmittelbares Korrigieren bedeuteten, das heißt in unmittelbarer Wechselwirkung mit den Unruhen des Wassers zur völligen Glattzeichnung des M auf besagter Seefläche führten. Die fließend maisgelbgoldene aquakutane Starre des mächtigen Buchstabens mit den Subkonnotationen Mensch, Mundo, Mund, Megatonnen, Mais und Magen (deutsch) ruhte fortan wie ein Hubschrauberlandeplatzsonderzeichen quasi wie festgemauert, wie eintätowiert, selbst auf den gischtigsten, kabbeligsten, stürmisch bewegtesten Wassern des südlichen Nassgrunds, diametral entgegengesetzt sozusagen dem König-Ludwig-Grund bei Berg, während das hohe M auf der Ilkahöhe, und mit ihm jedes abgeleitete M auf einer der Höhen der Welt, tanzte, zuckte und fluktuierte, oder auch nur zitterte – für ein standfestes, gigantisches – oder auch nur winziges – M in allen denk- und erreichbaren Reflexionen, Abbildungen, Spiegelungen – vom kleinsten, tränenverzitterten Kinderauge bis zum pissgelben Riesen-M auf dem wie rasend zusammenkrachenden Ross-Schelf irgendwo am knackenden Rand des antarktischen Pol-Pileolus der südhemispherischen Welt. Der Fischburger Ludwig Zwo wurde, nebenbei gesagt, ein voller Erfolg. Die zahlreichen Hubschrauber-Abstürze im Nass zwischen Bernried und Seeshaupt wurden im zentralen Teehaus der Firma als willkommene Zusatzwerbung verbucht. Das große, abgeleitete M auf dem Times-Square der bekannten Stadt New York City westlich von Bernried tanzte in einer rasenden Sturmnacht, die den Starnberger See im folgenden Winter heimsuchte, so ausdrucksstark, so ungewöhnlich agil, so ausgelassen, daß den Freestyle-Hiphoppern der begeisterten Stadt New York in einiger Entfernung vom Firmensitz in Bernried beim Versuch, den maisgelbgolden Tremor in einen neuen Style zu überführen, reihenweise die Beine brachen. Aber es blieb ja, zum Glück und wie immer in solchen Fällen, nicht bei einem einzigen Versuch.
© Thomas Krüger, Januar 2010
Samstag, 12. Dezember 2009
Peace
Vogelhintern, zwei, drei, oben, oben, vier
in trister Dauernieselgreulichkeit dort über
Schloten, wo wohl Himmel steht, nur trüber.
Löchlein, zwei drei vier, die hin und her
die hohe Luft ausloten: Teufelstier
mal zwei, drei, vier: Ihr-könnt-uns-Flieger…
am unsichtbaren Löchlein…, Routenbieger,
ihr kurskorrekten Pilgerzügler ihr.
Das liederlich quadrierte Selbst, es zielt
erratisch, wie von Schüssen knapp verfehlt,
ins Gleichgescharte, graubetrübte Klare.
Die Schüsse, die dort oben scheinbar scheuchen,
sie fallen hier, im geistigen Am-Boden-Kreuchen:
dem ihr was scheißt – ins Gute, Schöne, Wahre.
© Thomas Krüger, Dezember 2009
Lesung des Sonetts auf YouTube
Sonntag, 22. November 2009
Duales System // Armer Poet
Ceci n'est pas une pipe
Braun an der post–it–gelben Rauhfasertapetenschlafzimmerwand, ein
Steckdosengrenzübergang. Eine Steckdose, Steckdose. Eine
braune Steckdose im Schlafzimmerhosenbeine. Da unten,
rechts vom rechten Bettrand steht der himmelblaue
Wäschekorb zum Drüberfallen halb, das erste
Nebendosen–Sein. Ich schlafe nicht vom Kopf ab–
wärts, schaue die Steckdose, braune Steckdose, mitten im 24–
Bilder–vollgestellten, abgestillten Zimmerwinkel, pro Sekunde
23 Male, lotrecht fallend, in Bettkastennähe hinterm im
Wäschekorbrand verschwindenden zahnpasta-titanweißen Kabel;
weiß der Kabelfall, stramm des Steckers Weiß in
brauner Steckdose, Steckdose, Steckdose, je
länger mir still der zahnpasta-titanweißen stramm–
steckenden Gumminase freien Kabelfalles Gartenbild, ein
1000er–Puzzle besteht, 1:22 bis 1:67 überm Teppichboden, die weihnachtsdeko–
vollgestellte Fensterbank am Fuß des Wäscheschrank–, des Medi–
zinkorbschlagreflexes schwach im Fensterglas vor dieser
lidschlagbraunen Jalousie, der Widerschein, der
Bügelbrettbug links, die Einsamkeit des Dübellochs, die
Kerzenstummel, Spitzerbüchsen, Christbaum–
munition in grauen Schachteln, Fäden, Puppenholz;
verbunden vom Bettlakenfaltenwurf zu den
Rippen des Radiators zur Fußleiste senkt der
Raum den grauen Schal, die
Steckdose das zahnpasta-titanweiße Kabel, bis
hinter die Wäschekorb–Bett–
kanten–Drüberfalle.
Alles zusammen.
Immer ist alles zusammen.
Doch eins, ein einziges von
24 Bildern je ist braune
Steckdose nur und sonst
nichts, kein
Stecker, Kabel, sonst
besteht da, blaßt und
fällt, sonst
steckt da, fällt da,
scheint da gar nichts.
Ist da Steckdose
nur.
© Thomas Krüger, November 2009
Freitag, 4. September 2009
Ein Schlachtschiff im Oktober
Was trieb Dich Unthier zu der langen Reise;
Macht dich Amerika nicht satt?
Unter des Oktobers Kartoffelkäferpenistiefgang bremste die glänzende Kielfläche des USS-Colorado-Straßenbelags zum Eichhölzchen 7 und kommt nicht zur Ruh. Und unter des Oktobers blauen Bändern drehen sich Larven, locken die goldenen, wärmenden, die pädophilen Fingerspitzen zu den Straßenseiten, hinter die Vorgärten, hinter die Blumenbeete, hinter die beschatteten Fassaden; vom Schwert, d.h. vom Kartoffelkäferpenisgrundriß, d.h. von den Aufbauten unter der Straßendecke heraufgespiegelt aus den steilen, spitzdachähnlichen Hälften von Dürers betenden Händen, den Schwertern zu Schloten, zu Mastspitzen, zu Fingerspitzen, entgegen der Wünschelruten-Tauchrichtung und ab durch die Hecken nach links und nach rechts, hinein in das traute Heim. Es grüßen von allerlei Nachbarschaftsfensterbänken aus allen guten Stuben Flaktürme in Blumentöpfen; und von hinten, von hinter den Gardinen machten die Häuschen am linken, am rechten Bordrand aufeinander nebeneinander am umgekehrten Schlachtschiffrumpf sich fest. Sie schwappen verankert an blauen Bändern in „Di-Di-Di – Da – Da – Da“ – sie wuchsen aus des Taufbeckens penisberührtem Grund zu den Bäumen hinauf in die Äpfel- und Birnengärten. Da sitzt, da hängt das nach Mädchenart zu Verdichtende ungepflückt und dröhnt wie grünes Obst und läßt dort flattern die Stumpfhosen links und rechts und über der aufbautenaufgewühlten Grabestiefe des glänzenden Kielstreifens, neben der unsichtbaren, unsinkbaren Schneckenschleimbremsspur des umgekippten Schlachtschiffrumpfes zum Eich-hölzchen 7, da wummert der Diesel in diesem grellen wie unsichtbaren Mündungs-Feuerkopf, da walkt ein überfaust-II-großes, hinter den Häuschen stehendes Zementmischerding, das gigantische Bildermischer-Schollenwender-Sportlerherz der die lieblichen Mädchenblicke fallenden Herbstlaubs unter die klare Mittags-Gesamtsuppe mischenden Schiffsmaschine zur Mitte der Welt, und still und stumm düst ein Postbotenjungspund von Haus zu Haus und stopft seine Postrohre in allerlei kleine und große Kanonenloch-Kastenkuckucks-Uhrenklappen und schießt bald hierhin, bald dorthin. Sie alle, die hinter den Wänden in „Di-Di-Di – Da – Da – Da“ auf- und abgehen, dümpeln und warten: sie alle benutzen sein Fahrad und sitzen bei Tisch und allesamt rauchen sie Pfeife da draußen. Sie sitzen in stiller Stube, da draußen, auf Graten und Sprüngen, Terrassen, auf Treppenstufen. Die gartenmilden, kleinen, flimmernden spinnennetzfrontseitigen Häuschen im Eichhölzchen mit ihren Herbstblumen am Holzgitter, ihren Kanonen¬röhrchen in Kübeln, im Aufbauten-Gepuzzle hinfort vom alles begründenden, begrünenden Schwert zu den flügelschlagenden Wandfarben, dem dürftigen Rauputz, den groben Signalflaggen, den Schloten, den Wolken, hinauf in den schützenden Schiffsglocken-Totenkopf-Glaskugelhimmel...: Ein Tunnelblick durch und durch. Und falls dann ein Männleinweiblein mit strickmusternden Fußtritten leise, ganz leise aus einem der Waldrückenstücke der aufbauten¬angepassten Häuschen hinaus in die tiefe Straße tritt, stürzt eine irrsinnig abgefeuerte Libelle den Himmel entlang. Dann taumeln die Schmetterlinge, dann ziehen sie Rauchspuren, dann hängt der rötliche Sonne-Mond, ein Luftballon, ersoffen im Mastbaum unter dem Wasserstraßenbelag. Und wenn dann sämtliche samt- und sonderlichen Männleinweiblein wie auf Kommando zur Arbeit gehen, die Glastüren öffnend, sie krachend ins Schloss fallen lassen, so daß sie mitsamt dem schwarzweißen Glasknochen-Himmel zerspringen, dann fallen die Vögel zu Boden, in sämtlichen Phalanxanlagen der Fensterchen blitzen die Flakfeuer-Zungen¬spitzen, die haribobunten Azaleen-, die Orchideen-, die Begonienköpfchen. Dann heißt es: bis später, bis heute abend, bis dann. Die Mädchen sind weiterhin angepeilt und unreif und warten in den Bäume-Birnen-Äpfeln ganz still, bis Papamama und Mamapapa wieder mit blutigen, d.h. mit nassen Haaren aus der Straße steigen, durch die kleinen Käfernachfolger am Straßenrand und fortfahren und heimkehren.
© Thomas Krüger, September 2009
Donnerstag, 27. August 2009
Der heißeste Tag des Jahres
Von wo die Kriege erklärt werden: Plural – Singular. Ich
stehe in Vatis Diamotiv-Perspektive: stehe
in meinem Mann. Die Siedlung, Abendstimmung, Sonnensenkung:
schnitzend unter dem Über-Allem, Vogelstimmen-Schnitze
verteilend über dem weißen Häuslein: nach-waterbording-
friedvoll im würzigen Brandgeruch seiner Kinderspielzeug-
Storys, das feuchtdicke Häuslein mit wimmelndem Schwimmring lieb-
gewonnener Beetepfleger und Latexhandschuhträger.
Wo sind sie? Wo sind die lieben Sorgenden und Käfer von
Kinderpenissen pflückenden thermometerpflanzenden
Gravitäten nur hin? Das kleine Schleimhaut-Reissen, -Zischeln,
Schleiertanzen. Flammen lecken wie junge Hunde
nackte Füße, das kleine Welpenläuten. Gras über den
Nachbarn, die Lachenden. Gut wie das tut, das Über-den-Zaun-
ins-Nachbarschaftliche-Reinkotzen-Rauskotzen: ich und du.
Du Vier, fünf, sechs am Lager, Kartoffelsalat, die Kämpfer
wie Frosch und Fliege gefüllt sich haben – sie haben gefüllt
aus Erdenlöchern, aus denen das Gas ihrer heimlichen
immerwährenden, tiefirdischen und proto-tötenden
Bewegungen strömt, Mutti und Vati und, Schwesterherz, dein
neuer Freund. Die Würstchen auf dem Grill. Er hält dein kühles Bier.
© Thomas Krüger, August 2009
Dienstag, 4. August 2009
4. August 2009
Diese glanzbemoosten Dunkelheiten: Pferde von
39 Grad / in ihren 11 Grad m-
ehr als die na-
chglühende Sch-
wüle am Abend des 85-
01. Tschernobyl, an dem die schöne Fr-
au in ihrem Bratwu-
rstduft die Pferde mit ihren turmbest-
eigenden Köpfen bet-
rachtet. Diese t-
otens-
chönen Pf-
erde in diesem Atem. Diese ind-
irekt grasfressende, nachg-
lühende Frau. Di-
ese Schu-
tzanzüge überall mi-
t ihren Pflanzen i-
nnen, Disteln, N-
esseln, de-
r Sichelluzerne in gie-
rgew-
ittrigen Bäumen, schwerblättrigen Ästen über den Wegriß zur Pf-
erdeweidenfrontlinie in die glanzbemoosten Dunkelh-
eiten greifend. Das Unw-
etter im fau-
stgroßen Tote-
nmau-
sleib am Zaunpf-
ahl i-
n e-
i-
ne-
r Tr-
akt-
o-
rspur: schon w-
eitergezogen: Schnauben, die rötlichen Frauenaugen s-
piegeln ein Bl-
itzen im Bl-
ut in den Pferdehe-
rzbrennk-
ammern auf dieser W-
eide bei B-
abelsberg / Berl-
in / Deu-
tschlan-
d.
© Thomas Krüger, August 2009
Freitag, 31. Juli 2009
Grüne Birnen
Grünes Birnchen-Gebirne: quietschende Tachykardie. Die Oma
war eine Baronin. Ich lutsche Zitrone. Sah sie am Morgen im
Mantelmorgen im Lärchenmantel-Nadel-Adel: mülleimer-
große Soldatenstiefel mit Nachtigallen beim Ersticken drinne, Stücker
zweie. Kleine Schritte, 2 x Stille. Nadelfallen. Geblieben ist das
Urbild von allem Manteln: Weltalk. Meine Oma. Ein dürrer Stamm
und dürrere Äste, dürrste Zweige, Fingernägel, Vogelkrallen von
grünem Birnchen-Gebirne voll und Nachtigallen in meiner Pumpe,
verkehrtherum fliegen sie, flattern wie blöde. Das Blut ist im Schuh
am Stiefel – Osmose, das Hosenbein nackt zu sein. Oma verlor
wie blöde – ein herrlicher Flammenmantel brannte und ihre Füße
mit toten Vögeln drinne: Mülleimer – Heroic-She-Male-Stiefel. Mit
gelben Signallampen voll der Straßenbaum am grünen Wesen. Havelland-
straße am Nachmittag. Männer-des-Gartenbauamtes-Orangen bringen sie,
überall bringen sie Birnen an, ziehn aus Zerbirntem Birnung wie Oma, die
irgendwie weißaarig: Schneefall. Ostfrontiger Frauen-Frostpelz. Mit
gelben Birnen vollgekotzt Rapunzel: schneidirmaldiehaare…
© Thomas Krüger, Juli 2009
Samstag, 4. Juli 2009
Das Sandsack-Syndrom
…we may confidently come to the conclusion that the forces which
slowly and by little starts uplift continents and those which at successive
periods pour forth volcanic matter from open orifices are the same.
Charles Darwin: The Voyage of H.M.S. Beagle
Infolge spontanmutativer Veränderungen verbunden mit unbekannten, unerkannten, unvorhergesehenen Kettenreaktionen im Zellstoffwechsel von Männern verwandelte sich das Corpus Cavernosum sämtlicher erektionsfähiger Penisse in eine Art Sandsack mit kräftigem Bananenstutzenansatz am Sitzbein und stand bei Erregung meterhoch aufgerichtet, breit wie ein Eichenstamm, die Eichel auf Kopfhöhe, der prall geschwollene Sack im Winkel von ca. 40 Grad nach vorne geneigt, auf Armlänge vom Restkörper ab; und während die meisten Männer bereits in der ersten Befüllungphase der übergroßen Schwellkörper vornüber zu Boden gingen und an Blutleere, d.h. an einseitiger Blutverteilung starben, zeigte ein halbes Promille der Betroffenen den seltenen Anpassungscharme des widerstandsfähig Maskulinen: Zunahme der Blutmenge bei vaskulärem Ausgleich, Y-Winkelung mit dynamischer Balancestellung von Oberkörper und Schwellkörper; geschlossenen Erregungskreislauf, gestützt durch den mächtigen Blutdruckunterschied zwischen Kopf und Eichel quasi als Minus- und Pluspol mit ausgleichenden Boxhieben: sie konnten nicht anders, mußten sich entladen mit schnellen Schlägen wie faustgroßen Elektronen, die, gegen den Eichelrand prasselnd, den empfindlichsten Teil des Schwellkörper-Sandsacks bearbeiteten, bis dieser nach 4 oder 5 genauen Treffern auf freie Nervenendigungen und Meissner-Körperchen ein inneres Feuerwerk zündete, die innere Rakete starten ließ und Ejakulat wie die Atemfontäne über blasendem Pottwal, wie sprudelndes, weißliches Öl überm Bohrloch aufblühte: hinaufgespuckt, schillernd im Licht: der Kopfschmuck von Zirkuspferden, ein Eimer voll Sperma – der Tod infolge von Flüssigkeitsverlust bar jeder Vernunft: er raffte die Mehrheit der Sinkenden, nach gezündeten Lenden Schwächelnden dahin; der Rest wurde gepflegt, von stillen Schwestern, Matronen der Unterwelt, sigunischen, leidenden Heldinnen: Frauen voller Opferbereitschaft und Stille im Zentrum ihres Mauerblumenwesens: die Männer wurden gepflegt mit Trank und Minne und violinenen Liedern bis zur Wiederauferstehung vom KO. Dann aber regten sie sich erneut, erregten sich, tänzelten: die lebensfähigen Männer, ihren schwerfälligen Tanz mit sich selbst, ihren Kampf, ihren Spannungsbogen von steigender Erregung zu faustischem Hagel zu Klimax und völligem Darniederliegen. Wieder und wieder. Sie tanzten und boxten und sanken. Wenn sie nicht gestorben sind, kommen sie da auch nicht raus.
© Thomas Krüger, Juli 2009
Freitag, 3. Juli 2009
Sonette an Donald Duck
ein unvollendetes Projekt
I
Lesung des Sonetts auf YouTube
II
Heißluftballon über Leverkusen: Häuser brennen,
Fernsehgeräte und –wälder, –stoppelfelder.
Brennende Sender, lauter als Feuermelder,
gellen um Hilfe. Und Ghostbuster brennen,
Zimmerbüsche und Traumfabriken brennen,
Stoffgiraffen... Am Abend legt sich goldgelber
Dämmer auf den letzten Lärm tosender Bilder:
Guckende Geduckte lassen sich weiterbrennen.
Der Heißluftballon steht still und leuchtet zum Feier-
abend dann und wann den Schloten bei Bayer:
ein friedlich sinnendes Ungeheuer von Lanxess.
Weißer Riese, bringe das Feuer, Flammenfinder,
im Lampionhintern. Brenne für Kinder,
die Dich verloren, so scheint es, your Highness.
Lesung des Sonetts auf YouTube
III
Am Autobahnrand, wo das Rasen des
Messers unglaubliche Schärfe ist, fegt
der Wind durch vergilbte Seiten, regt
der Fahrtwind, sein pulsweises Blasen, des
kleinen Wesens Zorn: ein grob zerlesenes
gelbes Basis-Buch, politisch bewegt
zum tristen Ort, wo kaum noch was geht,
nur Seiten–wie–Fäuste–Erhebendes.
Das Elend der Welt: keiner und jeder
hört das Hundegebell, sieht die Federn
gerissener Tiere. Jenseits der Bahn
scheint jeder seines Nächsten Onkel Sam.
Diesseits irren die irrenden Diesseitigen…
und wetzen ihr Sehnen am Autobahnrand.
IV
Heide - Husum: bahnlahm, Verse knotend,
seh ich, plötzlich, epiphanisch, Schafe,
am Eiderufer Wollgeblitze, brave,
sattgedachte Findlingschafe, kotend.
Kein Hirtenköter nirgends: friedlich totend,
Bukolik, deren schlimmste Käuerstrafe,
Koliken, sich kaum aufmacht unter Schafe.
Doch unter diesen, danaoden brodelnd,
scheint eins im zweiten Geistesblitz beseelend -
das Schaf zu sein, das alles Schafsein... Elend!!
Der Schnellzug schlängelt weiter Richtung Küste,
das emanate Weiß wird hinterhügelt...
Gedanken, daß es Schaf mit Wut beflügelt,
umschlingen mich. Wenn ich nur weiterwüsste!

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V
Gräser, niedergedrückt, wovon auch immer.
Weizenfelder mit eingetrichterten Schneisen.
Hänsel-und-Gretel-Hände verstreuten Hinweise,
konzentrisch subtil. Es wird wohl schlimmer.
Spurenverdichtung und dann: Trümmer,
Holzsplitter, Federn in blutigen Kornkreisen;
laute Nebensächlichkeiten bis an das leise,
abkehrumzäunte Zentrum der Trümmer.
Sie haben da Ruhe - in den Augen des Sturms.
Sie sagen: sie haben des Wachturms
Schutz - und sie schweigen, mit seiner Größe.
Denn dort ist dort und hier ist hier: sie sagen
niemand von ihnen würde es wagen…
im Gewitter der Zäune… in blitzender Blöße...
VI
Möwen schweben. Luft an blauen Zitzen. Klein ein Schiff,
ein Leichtöltanker. Wolkenlämmchen, schönverloren.
Fleisch rot-weiß liegt schwebend, schaumgeboren
im weißen Feinstaubsand, den Äol schliff.
Ein Engel könnte auch nach Hundepfeifenpfiff
nicht landen hier. In allem Strandrumoren
ist soviel Schweben, Fliegen: Ballgepfiff um Ohren
und Plastiktütentreiben Richtung Kliff.
Doch abends, wenn ein Schwimmer abgetrieben,
gesunken ist, so gegen sechs, halb sieben,
kommt unvermutet doch ein Engel nieder.
Dann bleibt am Boden Kot nach Sandbetölung,
rot-buntes Volk begafft die letzte Meeres-Ölung,
und Gischt geht durch ein mächtiges Gefieder.
VII
VIII
Schnüre im großen Mitein-All
Gewürme, wie chromatinene DNA,
was verkett-, verkabel-, verbänderbar
verzweit sich im Angeschnall:
dein Ander: ein Dauer-Zusammenprall,
Immer-Unnahbar,
alle sind Maximalpaar,
ständiges Zwei-sind-ein-Gegenfall,
alles ist Un-Duo-tum.
Raumspaziergang: doppelter Irrtum.
Keiner ist Schiff: das ist immer
der jeweils andere Schwimmer,
Flieger, Taumler im Bola-Duett
von ganz Ohne – ganz Mit.
IX
Kopf und Füße außerhalb ihrer selbst. Dynamik.
Kalte Knie in lauter Blaue-Flecken-Dunkel.
Die Nacht aus allen Ecken: Becken-Geschunkel
und dunkler Schwindelkram, Triumphkeramik.
Ein Tanz von Mitten. Härteste Umschenkelschwanik.
Urethralsignale. Zerebraler Funkel.
Fixier-verwirrendes Verfütter-Dunkel.
Die-frühe-Milch-von-Hitchcock-Pelikanik.
Die Nacht: ein Wille aus kaltem weißem Flaum,
Schlangenhals und Schüssel, Partner im Traum,
umstolpertes Zeugs nach Komasaufen.
Du wachst dann auf und denkst, der Tag ist wieder
dein weißes Podest. Du läßt dich nieder,
mit Kopf und Füßen darin einzuschlafen.
X
Also nochmal: Urknall, Schrotstücke,
kurze Distanz, zerfetzender Durchschuß,
ein Klumpen Vogelschiß –
Klatsch! – An die Rampe der Eisenbahnbrücke.
Hartes Geficke.
Hagel-Kuß.
Ein spritziger Schluß.
Wie jeder der Abdrücke.
Das Bunte in der eingeweideroten
schönen Bildwelt. Noten,
Graffity-Tupfer im Zugverkehr-
wandzeitungsbogen. Schießend weiterjagen.
Schauer, durch Federn gefahren.
Hinomaru mit Flare.
XI
An Zimmern – kein Mangel.
Rechts, nein, nicht so weit, links,
ein Stück nach rechts, wieder links,
stop! Ihr... Engel?
in eurem Gedrängel?
Viereckige Welten ins
nirgends gefenstert, ins
Von-Fenster-zu-Fenster-Hangeln,
von Panel zu Panel, draußen,
hier, wir Weltaußen.
Von wo aber lenkt man?
Der Arm, aus dem Bild heraus,
Gefallenen zu? Ins Weltaus?
Ein Schlüsselbild, denkt man.
XII
Ich bin nicht die, die... tja – nun ratet mal, ihr Krücken:
Ein Körper Transplantate von plan-tranchierten Tätern,
untoten Potentaten mit Drang, sich zu verspätern
im Gurte meines Leibs – dem Trug aus freien Stücken:
der Morgenbartlosblick mimt Killerbild-Entzücken,
des Mittags Blutvergießen dient liebesbuntem Zetern,
dem Abendflammenraffen die Austrittskraft von Tretern,
den Nächten Umgelegter ein telegener Rücken.
Kapiert ihr, wie sie ticken? Die zahnlos wie Infanten
so reißwolfgleichen Killer: sie stillen euch von hinten.
Und ich bin ihre Geisel? Ihr kollektives Kind?
Sie lassen mich bestaunen. Sie lassen ihre Launen,
geschickt versteckt in Federn, quäken anstatt raunen.
Ich lebe, lausche leisem: der Süße da, er spinnt...
XIII
I think continually of those who are truly great…
z. B. die Boeing 747 Rheinland-Pfalz,
das stolz geschwollen leichtmetallene Gebalz
von grade abgehoben bauchbetontem Fluggerät.
Ich sehe dessen große weiße Attraktivität
noch weiter aufgebläht, sobald des Greifen Fahrgestells-
bereifung eingefahren mit dem Leib verschmolz.
Wie kühn, dem solche hodenlose Größe steht!
Und dieses neckisch blaue Mützchen auf dem Heck,
dem knackigen Beschluß der Schiebung: keck!
Wie wuchs aus anaboler Blöße solch ein Aerobus?
Und welches Ei entließ den Korpus, der zur Sonne eilt,
der hoch im Laich ein Weilchen Streifenmilch verteilt?
Was hüllst du ein, du Kranich eines Ibykus?
Lesung des Sonetts auf YouTube
XIV
Lesung des Sonetts auf YouTube
XV
Ab morgen früh besteht der Himmel
aus Werbeflächen, groß wie dieser,
nur farbiger und inhaltsmieser.
Ab morgen recket euch wie Pimmel
nach hohem Wort-und-Bild-Gewimmel,
Verkündigungen marktpräziser
Banner, Botschaften und Teaser.
Ab morgen steht hier etwa Camel
in high-tech-sirrendem Azur
mit Großraumflieger–Schlüpfstruktur -
so meilenweit und farbenfett.
Ab morgen wirkt es schon verwüstelt,
daß ihr den Bildern bald was hüstelt:
doch last ihr alle dies Sonett.
XVI
Sehr viel größer als eine Feder durch deine
schmale Brust nicht sinken, den
Fallschirm zu Boden lenken, den
Kopf aus seinen Wolken nicht lösen können, eine
lange Reise durchs rasselnd einge-
atmet feine Zwitschern, Singen: dehnt
der Flug, der keiner ist, den
Flug auf dünnste Schilfrohr-Beine.
Torso von Fallschirmsprung: bedecke ihn, laß
Dauerregen den Wolkendunst, das
Wasser nie erreichen;
Knabe, Fliegender und Fallender:
setze den Feder-Fallen der
Teiche, deinen Wiesen kein Zeichen.
XVII
XVIII
N Kinosessel: verbunden im Blockbusterdämmer
von Spätfilm-Massentod durch weiche Fragezeichen
von Menschen, die vorausgebeugt auf leuchtend bleichen
Laptops Tiere hüten, Dokumentenlämmer;
die ihren Lämmerzustand pflegen, Tasten hämmern,
so daß sogar im schlimmsten Filmfall, fast wie Leichen,
die weißen Tiere nicht von ihren Seiten weichen.
Sie zucken nur in kleinen Bildschirm-Kammern.
Und N+1, das ist Balkon, ein Frontsitz, oben,
von wo die Lamb-Tops unten wie im Gegenfilm verwoben
verlichterketten, Schirm für Schirm,
daß plötzlich Wellen weißer Elemente
von Bild- zu Bildschirm ziehn: bedeutungslose Dokumente,
von N+1 aus wie ein Midgard-Wurm.
XIX
Wie schwer war der Gedanke, es sei die eine zurückgekehrte
Taube gewesen, die den Blick zu den Schornsteinen zog:
Ein Sprechblasenblümchen, ein blaues, in ihrem kleinen
Schnabel, flog sie, trug sie, vom Himmel herab, das himmelverzehrte
Ding aus Nichts, das Wolkengewölle, brachte das unerhörte
Winzige, von Räumen, verschlungenen Armen, Gebeinen
unmöglich Scheinende, das plötzlich zwischen den Steinen lag
im seltsam hellen Inneren der Häuser: das Himmelverzerrte…
Wir dunkelten darum herum. Es geht im Tageblau der Blues
von dieser aus dem Off gekehrten Taube, schwarz von Ruß.
Wir Häuser um den Schlund herum: die vielen Schlote;
Orte, Städte, Metropolen – schweigend stille Feuer.
Wir stehen ohne Worte um ein dunkles Ungeheuer,
das wo geblieben, woher kam und womit drohte?
XX
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XXI
Liebt der Dukdalf-Campingtisch
auch mich? So wie ich ihn?
In dessen Mecalit ich, nach dem Aus-dem-Rasen-Ziehn
der dünnen Alu-Beine, stürmisch
mich verlor? Es war so frisch,
sie fror. Sie lag, nach mutualem Ausziehn,
weich und gänsehäutig, es geschehn
zu lassen, lecker da. Auf diesem Tisch,
auf dieser blassen Platte für das Not-
dürftigste: das, was zählt. Ich war so rot
und so erregt. Dann sank er plötzlich weg,
der Tisch, die Beine sackten in den Dreck.
Sie floh vom Tisch. Ich klappte ihn perplex
zusammen. Nahm ihn auf. Was ist schon Sex?
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XXII
Bächlein, Bächlein, wo die Füßlein Salto schlagen,
schön gefaltet? Weich und luftig, so ein Lauf von
Welt, darummen federen die Pilze: etwas hocke-
nicksen Pilzlein, töte durch dich durch sich
nehm Zürück, seh wachsen, wasser-
wiege-fließen. Bächlein, Bächlein: lies vom
Nil, so wie du fließt, ein nasser Sohle Hirnge-
Spinster, Vibratoren-Buschwindröslein. Höslein-
Runterschönchen. Fettes Blut und Schnäuzchen-
ylle. Leichenteil am Waldrand, Doktor-Titel,
weht noch, tut es etwas gut. Ein Brotstück
groß, dich grade zu verlaufen, Bächlein. Du.
Dort Scheusal um den Nagel durch die Hand du
scheues Rinnsal. Rehsel.
XXIII
Aus der besten der Welten ragen – warum? –
Füße mit Schwimmhäuten.
Soll das bedeuten:
ein body pilotic beim Artensprung?
Schaut sich da Blut nach was Nochbessrem um?
Von vorn bis zum Hintern verbreiten
so weiße Monaden sich, gleiten
im einstmals reinen Zusammenhang rum.
Gase entweichen,
nichts seinesgleichen
lag je hier im Garten.
Ein Vogel aus wimmelnden Fischen?
Ein Landtier inzwischen?
Ich hole den Spaten.
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XXIV
XXV
Die Lügen des Rheumatismus in der Leere des
Hühnerstalls: Tageshelle,
gelenkpfannenknarrende Einzelfälle
von Unruhe: vergangenes Suppenhuhnenes…
Die Fliegen des Transistorradios während des
alten Fuchses Jagger-Gebelle,
im Stall, das trockene Hühnerkotvolle,
es bleibt der Helle zu Fressendes.
Zahnlos rieselt der Schnee: Be-
friedigung. Die Radiobatterie
wird 70. Stirbt auf der Hühnerbühne.
Draußen, das Motorrad im Unterstand,
das Hühner nie fuhren, die Manager der Band:
Hühnerstall-Engel auf beschissener Maschine.
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XXVI
Was könntest Du, der Größte
des eigleichen Andersseins, dem Kuß-
geräusch entnommen haben, als die Guß-
form des Anderen sich von dir löste?
Dem kurzen Saugen, als das Allerhöchste,
das All-ums-Eine dich zum Schluß
entließ, der ganze Überdruß,
weil sich dein Anderssein nicht löste?
Du federleichter Schulterer hoch drei,
nun bist du frei.
Es gibt kein Rückwärts mehr ins Andere.
Du bist nun fremd,
ein heimliches, flanierendes Moment,
so anders, daß nur eins hilft: ändere!
XXVII
Der Sekundenzeiger der Uhr an der Wand.
Dieser verstörte Hund, an den Pflock geleint.
Alle verschwunden, wie es scheint.
Das Haus ist niedergebrannt,
bis auf den Meeresgrund.
Ein schwarzer Schild. Es glimmt
was auf und brennt und verschwimmt.
Hektik im tiefen Radarschirmrund.
Von hier aus scheint die Bewegung
regelhaft. Getaktete Erregung,
abgetrennt vom Grund.
Zerfälle und Abstraktionen. Wohnzimmerbefund.
Es dreht sich eine lange Weile im kleinen Abendland
der Sekundenzeiger der Uhr an der Wand.
XXVIII
XXIX
XXX
Wir fühlen die Züge der Düfte im Kreuz-Schacht:
das Schleichen im Boden, im Einbaum mit Vierung;
in Querhaus und Langhaus distanter Tor-Türung;
wir höhlen und schwärzen die Holzwand mit Brandnacht.
Wir spüren im Durchgang, daß draußen sich aufmacht,
was drinnen in heimlicher, dunkler Durchquerung
und rauchgleich, nach kunstvoller Wind-Dirigierung,
in Stoffen zusammenfällt, flieht, sich vervielfacht.
Die Mitte der Vierung, die schwarze Verführung,
die Züge von Venusberg-Fliegen-Zentrierung
an Rosen von blendweißer Aschewurf-Dauer;
sind Teller und Totpunkt und Quellen von Luft,
ein wimmelndes Opfer im Kreuzpunkt der Gruft:
ein Tierleib süß-sau-katalytischer Schauer.
XXXI
XXXII
Herzköniginnenfarkt. Schnellerdur-
ammler. Ich weiß nicht, wer soll es
debeuteln, unruh ich volles
Programm: nur Balder: Kängur!
Pfotentote auf der Taschen-Tour,
Ichmus! Ichmus! Nur kleines
Trampln, Erdbefederbären, helles
Bierinnen Carninchen-Darfur.
Unruh ich nur, schreit
halsschnittartig Keinezeit, die
Omacht, Muttertür, Feuerfrei!
Asshologramm in einem anderen
Weißnicht. Fake die Königin! Doch
über allen Gipfeltreffern was der Durchfall ist.
XXXIII
Friedliche Rose, wirst mich totmachen.
Leersaugen wirst du mich. Ich werde
unter dir liegen, in Friedhofserde,
Rosenferkel sattzumachen:
ich tote Rosensau den kleinen Rachen
tiefer Wurzelsauggebärde.
Du bist geduldig, Rose: Rosenmorde
sind Wartesachen.
Dein Kumpel die Distel,
dein Kumpel die Mistel
sind harmloser als du.
Zartrosa bist du. Gott: Rose,
Scheinwaffenlose,
Blut ist im Schuh.
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XXXIV
Auschwitz ist eine Photoplatte. Immer wieder belichtbar.
Immer wieder mißverstanden wird diese Aussage werden. Wie:
Entenhausen ist Auschwitz. Sie werden durchs Tor gehen. Sie
werden heraustreten. Wieder und wieder unfaßbar.
Auschwitz ist eine Fotoplatte. Du sollst dir kein Bild machen. Er-
greift diese Platte wieder und wieder ein solches Bild. Sie
zeigt die schönsten Bilder. Die schrecklichsten zeigt sie nie.
Das Stehenbleiben seit der ersten Belichtung. Sie zeigt es weiter.
Das Stehenbleibenlernen. Das Weitergehen aus Hüllen.
Das Steckenbleiben im Festgehaltenen. Das Brüllen
der Tiere in viel zu engen Menschenhäuten.
Gefängniszellenteilen. Das Löschen der Lichter in
silberbildenden Nicht-mal-Bildern der Auf-Bilder-Richter.
Am Ende. Wenn die Farben in die Toten gleiten.
© Thomas Krüger, Juli 2009 - Juni 2010
ein unvollendetes Projekt
I
Tischlein deck dich, Tischlein deck dich.
Tischlein, laß die Innereien
nach erstickten Todesschreien
dampfen, duften: Tischlein, duck dich,
duck dich unter haute cuisinnlich
applizierten Spezereien;
unter Leichen, schädelfreien,
denen Hämatome prächtig
Farbe leihen. Laß die Schwenker
bunter Lätzchen, Tischlein-Denker,
satt in Traumen Träume lesen.
Zeige blaubeerrot Substanz,
halb geronnen, Knüppeltanz-
Gerichtetes, wo Kopf gewesen.Lesung des Sonetts auf YouTube
II
Heißluftballon über Leverkusen: Häuser brennen,
Fernsehgeräte und –wälder, –stoppelfelder.
Brennende Sender, lauter als Feuermelder,
gellen um Hilfe. Und Ghostbuster brennen,
Zimmerbüsche und Traumfabriken brennen,
Stoffgiraffen... Am Abend legt sich goldgelber
Dämmer auf den letzten Lärm tosender Bilder:
Guckende Geduckte lassen sich weiterbrennen.
Der Heißluftballon steht still und leuchtet zum Feier-
abend dann und wann den Schloten bei Bayer:
ein friedlich sinnendes Ungeheuer von Lanxess.
Weißer Riese, bringe das Feuer, Flammenfinder,
im Lampionhintern. Brenne für Kinder,
die Dich verloren, so scheint es, your Highness.
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III
Am Autobahnrand, wo das Rasen des
Messers unglaubliche Schärfe ist, fegt
der Wind durch vergilbte Seiten, regt
der Fahrtwind, sein pulsweises Blasen, des
kleinen Wesens Zorn: ein grob zerlesenes
gelbes Basis-Buch, politisch bewegt
zum tristen Ort, wo kaum noch was geht,
nur Seiten–wie–Fäuste–Erhebendes.
Das Elend der Welt: keiner und jeder
hört das Hundegebell, sieht die Federn
gerissener Tiere. Jenseits der Bahn
scheint jeder seines Nächsten Onkel Sam.
Diesseits irren die irrenden Diesseitigen…
und wetzen ihr Sehnen am Autobahnrand.
IV
Heide - Husum: bahnlahm, Verse knotend,
seh ich, plötzlich, epiphanisch, Schafe,
am Eiderufer Wollgeblitze, brave,
sattgedachte Findlingschafe, kotend.
Kein Hirtenköter nirgends: friedlich totend,
Bukolik, deren schlimmste Käuerstrafe,
Koliken, sich kaum aufmacht unter Schafe.
Doch unter diesen, danaoden brodelnd,
scheint eins im zweiten Geistesblitz beseelend -
das Schaf zu sein, das alles Schafsein... Elend!!
Der Schnellzug schlängelt weiter Richtung Küste,
das emanate Weiß wird hinterhügelt...
Gedanken, daß es Schaf mit Wut beflügelt,
umschlingen mich. Wenn ich nur weiterwüsste!
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V
Gräser, niedergedrückt, wovon auch immer.
Weizenfelder mit eingetrichterten Schneisen.
Hänsel-und-Gretel-Hände verstreuten Hinweise,
konzentrisch subtil. Es wird wohl schlimmer.
Spurenverdichtung und dann: Trümmer,
Holzsplitter, Federn in blutigen Kornkreisen;
laute Nebensächlichkeiten bis an das leise,
abkehrumzäunte Zentrum der Trümmer.
Sie haben da Ruhe - in den Augen des Sturms.
Sie sagen: sie haben des Wachturms
Schutz - und sie schweigen, mit seiner Größe.
Denn dort ist dort und hier ist hier: sie sagen
niemand von ihnen würde es wagen…
im Gewitter der Zäune… in blitzender Blöße...
VI
Möwen schweben. Luft an blauen Zitzen. Klein ein Schiff,
ein Leichtöltanker. Wolkenlämmchen, schönverloren.
Fleisch rot-weiß liegt schwebend, schaumgeboren
im weißen Feinstaubsand, den Äol schliff.
Ein Engel könnte auch nach Hundepfeifenpfiff
nicht landen hier. In allem Strandrumoren
ist soviel Schweben, Fliegen: Ballgepfiff um Ohren
und Plastiktütentreiben Richtung Kliff.
Doch abends, wenn ein Schwimmer abgetrieben,
gesunken ist, so gegen sechs, halb sieben,
kommt unvermutet doch ein Engel nieder.
Dann bleibt am Boden Kot nach Sandbetölung,
rot-buntes Volk begafft die letzte Meeres-Ölung,
und Gischt geht durch ein mächtiges Gefieder.
VII
Jesus! He came down, as if from heaven, quacking: “Bon Giorno!”
Funny guy – Ha! Ha! Ha! – und das Bild auf dem Fallschirm? Ich meine,
darunter, der Gehängte, die gestiefelten Beine, und
darüber aufgespannt die helmtragende Rache für Adorno?
Right in the Fuehrer’s face – Ha! Ha! Ha! – like an A-bomb, or no:
like an Angel with orange feet: alle Engel ssind peinelik?
Nein: schrecklich. That‘s it – Heinrik Heine?
Nein: Rilke. Another witty German – like Adorno.
O’ that sunny smile: Shall I compare thee to a D-Day-Zirkusheld?
You remember the scene in Dumbo when the big top… das Zelt?
Exactly – zussammenfällt: Doitschland wir webbern dein Leichentuch…
Heine? Right! – Und dann und wann ein weißer Elefant.
Rilke – And the Germans where dann und wann ohne Verstand.
Elefants in Knobelbechern – Right. Aber jetzt ist alles gut.
VIII
Schnüre im großen Mitein-All
Gewürme, wie chromatinene DNA,
was verkett-, verkabel-, verbänderbar
verzweit sich im Angeschnall:
dein Ander: ein Dauer-Zusammenprall,
Immer-Unnahbar,
alle sind Maximalpaar,
ständiges Zwei-sind-ein-Gegenfall,
alles ist Un-Duo-tum.
Raumspaziergang: doppelter Irrtum.
Keiner ist Schiff: das ist immer
der jeweils andere Schwimmer,
Flieger, Taumler im Bola-Duett
von ganz Ohne – ganz Mit.
IX
Kopf und Füße außerhalb ihrer selbst. Dynamik.
Kalte Knie in lauter Blaue-Flecken-Dunkel.
Die Nacht aus allen Ecken: Becken-Geschunkel
und dunkler Schwindelkram, Triumphkeramik.
Ein Tanz von Mitten. Härteste Umschenkelschwanik.
Urethralsignale. Zerebraler Funkel.
Fixier-verwirrendes Verfütter-Dunkel.
Die-frühe-Milch-von-Hitchcock-Pelikanik.
Die Nacht: ein Wille aus kaltem weißem Flaum,
Schlangenhals und Schüssel, Partner im Traum,
umstolpertes Zeugs nach Komasaufen.
Du wachst dann auf und denkst, der Tag ist wieder
dein weißes Podest. Du läßt dich nieder,
mit Kopf und Füßen darin einzuschlafen.
X
Also nochmal: Urknall, Schrotstücke,
kurze Distanz, zerfetzender Durchschuß,
ein Klumpen Vogelschiß –
Klatsch! – An die Rampe der Eisenbahnbrücke.
Hartes Geficke.
Hagel-Kuß.
Ein spritziger Schluß.
Wie jeder der Abdrücke.
Das Bunte in der eingeweideroten
schönen Bildwelt. Noten,
Graffity-Tupfer im Zugverkehr-
wandzeitungsbogen. Schießend weiterjagen.
Schauer, durch Federn gefahren.
Hinomaru mit Flare.
XI
An Zimmern – kein Mangel.
Rechts, nein, nicht so weit, links,
ein Stück nach rechts, wieder links,
stop! Ihr... Engel?
in eurem Gedrängel?
Viereckige Welten ins
nirgends gefenstert, ins
Von-Fenster-zu-Fenster-Hangeln,
von Panel zu Panel, draußen,
hier, wir Weltaußen.
Von wo aber lenkt man?
Der Arm, aus dem Bild heraus,
Gefallenen zu? Ins Weltaus?
Ein Schlüsselbild, denkt man.
XII
Ich bin nicht die, die... tja – nun ratet mal, ihr Krücken:
Ein Körper Transplantate von plan-tranchierten Tätern,
untoten Potentaten mit Drang, sich zu verspätern
im Gurte meines Leibs – dem Trug aus freien Stücken:
der Morgenbartlosblick mimt Killerbild-Entzücken,
des Mittags Blutvergießen dient liebesbuntem Zetern,
dem Abendflammenraffen die Austrittskraft von Tretern,
den Nächten Umgelegter ein telegener Rücken.
Kapiert ihr, wie sie ticken? Die zahnlos wie Infanten
so reißwolfgleichen Killer: sie stillen euch von hinten.
Und ich bin ihre Geisel? Ihr kollektives Kind?
Sie lassen mich bestaunen. Sie lassen ihre Launen,
geschickt versteckt in Federn, quäken anstatt raunen.
Ich lebe, lausche leisem: der Süße da, er spinnt...
XIII
I think continually of those who are truly great…
z. B. die Boeing 747 Rheinland-Pfalz,
das stolz geschwollen leichtmetallene Gebalz
von grade abgehoben bauchbetontem Fluggerät.
Ich sehe dessen große weiße Attraktivität
noch weiter aufgebläht, sobald des Greifen Fahrgestells-
bereifung eingefahren mit dem Leib verschmolz.
Wie kühn, dem solche hodenlose Größe steht!
Und dieses neckisch blaue Mützchen auf dem Heck,
dem knackigen Beschluß der Schiebung: keck!
Wie wuchs aus anaboler Blöße solch ein Aerobus?
Und welches Ei entließ den Korpus, der zur Sonne eilt,
der hoch im Laich ein Weilchen Streifenmilch verteilt?
Was hüllst du ein, du Kranich eines Ibykus?
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XIV
Ich habe es nun – ach! – verstanden, Vieh:
du hast mir Schwäche vorgegaukelt,
mich hat dein Watschelgang verschaukelt,
dein starrer Blick verstrahlte Apathie.
Du warst die Pose, ich die Idiotie:
Der Schwanensang, daß nichts dein Aug hält,
in deiner ach so enggefaßten Schauwelt,
verlockte meine West-Philosophie,
die du in ihren habermaßschen Gutmensch-Fragen
in deine Westentasche stecktest sozusagen.
Dein Blick war ja nur müd geworden, weil er
im Diesseits, hinter trügerischen Gittern,
allein auf Typen fiel, die hirnlos twittern
und dumpf und untot defilieren: leider.Lesung des Sonetts auf YouTube
XV
Ab morgen früh besteht der Himmel
aus Werbeflächen, groß wie dieser,
nur farbiger und inhaltsmieser.
Ab morgen recket euch wie Pimmel
nach hohem Wort-und-Bild-Gewimmel,
Verkündigungen marktpräziser
Banner, Botschaften und Teaser.
Ab morgen steht hier etwa Camel
in high-tech-sirrendem Azur
mit Großraumflieger–Schlüpfstruktur -
so meilenweit und farbenfett.
Ab morgen wirkt es schon verwüstelt,
daß ihr den Bildern bald was hüstelt:
doch last ihr alle dies Sonett.
XVI
Sehr viel größer als eine Feder durch deine
schmale Brust nicht sinken, den
Fallschirm zu Boden lenken, den
Kopf aus seinen Wolken nicht lösen können, eine
lange Reise durchs rasselnd einge-
atmet feine Zwitschern, Singen: dehnt
der Flug, der keiner ist, den
Flug auf dünnste Schilfrohr-Beine.
Torso von Fallschirmsprung: bedecke ihn, laß
Dauerregen den Wolkendunst, das
Wasser nie erreichen;
Knabe, Fliegender und Fallender:
setze den Feder-Fallen der
Teiche, deinen Wiesen kein Zeichen.
XVII
Blaue Ente braucht Nistplatz. Überall Wasser:
Nord-Ost-Süd-West. Bethlehemische Situation.
Blaue Ente in einer Seenot-Suchaktion
bloß Wasserweib-Knie und –Schulter. Überall Wasser.
Nistplatz? Wohnplatz? Entscheidung. Überall Wasser.
Nicht lustig für blaue Ente. Doch wenigstens Wohn-
und Nistplatz. Wer hat das schon?
Blaue Ente baut Nest auf Knie. Überall Wasser.
Blaue Ente füllt Knie-Nest. 7 Eier.
6 goldene, 1 eisernes. 7 Eier.
Blaue Ente schneller Brüter. Knie wird heiß.
Wasserweib-Beben. Gold-Eier kaputt.
Welt aus blauer Enten Gold-Eier-Schutt
mit Kern aus Eisen. Was das heißt? Wer weiß.XVIII
N Kinosessel: verbunden im Blockbusterdämmer
von Spätfilm-Massentod durch weiche Fragezeichen
von Menschen, die vorausgebeugt auf leuchtend bleichen
Laptops Tiere hüten, Dokumentenlämmer;
die ihren Lämmerzustand pflegen, Tasten hämmern,
so daß sogar im schlimmsten Filmfall, fast wie Leichen,
die weißen Tiere nicht von ihren Seiten weichen.
Sie zucken nur in kleinen Bildschirm-Kammern.
Und N+1, das ist Balkon, ein Frontsitz, oben,
von wo die Lamb-Tops unten wie im Gegenfilm verwoben
verlichterketten, Schirm für Schirm,
daß plötzlich Wellen weißer Elemente
von Bild- zu Bildschirm ziehn: bedeutungslose Dokumente,
von N+1 aus wie ein Midgard-Wurm.
XIX
Wie schwer war der Gedanke, es sei die eine zurückgekehrte
Taube gewesen, die den Blick zu den Schornsteinen zog:
Ein Sprechblasenblümchen, ein blaues, in ihrem kleinen
Schnabel, flog sie, trug sie, vom Himmel herab, das himmelverzehrte
Ding aus Nichts, das Wolkengewölle, brachte das unerhörte
Winzige, von Räumen, verschlungenen Armen, Gebeinen
unmöglich Scheinende, das plötzlich zwischen den Steinen lag
im seltsam hellen Inneren der Häuser: das Himmelverzerrte…
Wir dunkelten darum herum. Es geht im Tageblau der Blues
von dieser aus dem Off gekehrten Taube, schwarz von Ruß.
Wir Häuser um den Schlund herum: die vielen Schlote;
Orte, Städte, Metropolen – schweigend stille Feuer.
Wir stehen ohne Worte um ein dunkles Ungeheuer,
das wo geblieben, woher kam und womit drohte?
XX
Alle Enten sind schrecklich. Und alle Hühner
sind nichts als des Schrecklichen Anfang.
Hühner sind Diesseits, doch Entenfang
dämmert über allen Hühner-
ställen wie ein stummer, ungestümer
Schrei nach Drüben: Heimgang,
Hühner- und Himmelsleiter-Abgang:
Alle Enten verlassen das Elend der Hühner,
entdecken Amerika oder die Länder der Sterne,
sind irgendwann Ferne,
durchstoßen die Ausdehnungsgrenzen
des ausdehnungsgrenzenlosen Universums: Kluge
Sternbild-Verwischer sind Enten. Im Fluge
sich gänzlich entfernendes Bürzel-Tänzeln.Lesung des Sonetts auf YouTube
XXI
Liebt der Dukdalf-Campingtisch
auch mich? So wie ich ihn?
In dessen Mecalit ich, nach dem Aus-dem-Rasen-Ziehn
der dünnen Alu-Beine, stürmisch
mich verlor? Es war so frisch,
sie fror. Sie lag, nach mutualem Ausziehn,
weich und gänsehäutig, es geschehn
zu lassen, lecker da. Auf diesem Tisch,
auf dieser blassen Platte für das Not-
dürftigste: das, was zählt. Ich war so rot
und so erregt. Dann sank er plötzlich weg,
der Tisch, die Beine sackten in den Dreck.
Sie floh vom Tisch. Ich klappte ihn perplex
zusammen. Nahm ihn auf. Was ist schon Sex?
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XXII
schön gefaltet? Weich und luftig, so ein Lauf von
Welt, darummen federen die Pilze: etwas hocke-
nicksen Pilzlein, töte durch dich durch sich
nehm Zürück, seh wachsen, wasser-
wiege-fließen. Bächlein, Bächlein: lies vom
Nil, so wie du fließt, ein nasser Sohle Hirnge-
Spinster, Vibratoren-Buschwindröslein. Höslein-
Runterschönchen. Fettes Blut und Schnäuzchen-
ylle. Leichenteil am Waldrand, Doktor-Titel,
weht noch, tut es etwas gut. Ein Brotstück
groß, dich grade zu verlaufen, Bächlein. Du.
Dort Scheusal um den Nagel durch die Hand du
scheues Rinnsal. Rehsel.
XXIII
Aus der besten der Welten ragen – warum? –
Füße mit Schwimmhäuten.
Soll das bedeuten:
ein body pilotic beim Artensprung?
Schaut sich da Blut nach was Nochbessrem um?
Von vorn bis zum Hintern verbreiten
so weiße Monaden sich, gleiten
im einstmals reinen Zusammenhang rum.
Gase entweichen,
nichts seinesgleichen
lag je hier im Garten.
Ein Vogel aus wimmelnden Fischen?
Ein Landtier inzwischen?
Ich hole den Spaten.
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XXIV
In einem Wassertropfen, an den von Außen kein
Draußen als die Nase dran
Plattdrückbares erscheint, hat man
aus der unendlichen Zahl der scheinbar nicht mehr durch ein
Entlein teilbaren Elementarteile einige
auf minimaler O-Bahn
allerhöchst beschleunigt – dann
knallten auf der kleinsten aller Milchbahnen zwei
scheinunteilbare Teile grundfürchterlich zusammen wie
schnäbelnd und zugleich geweihzusammenrammend. Sie
gewitterten ein bißchen im Guckkasten-Kosmos von Marx
qua Barks. Aber man konnte natürlich nichts sehen,
sondern in allem Quietscher-Un-Entlichen allenfalls verstehen
die Äquivalente vielleicht dreier kläglicher Quarks.XXV
Die Lügen des Rheumatismus in der Leere des
Hühnerstalls: Tageshelle,
gelenkpfannenknarrende Einzelfälle
von Unruhe: vergangenes Suppenhuhnenes…
Die Fliegen des Transistorradios während des
alten Fuchses Jagger-Gebelle,
im Stall, das trockene Hühnerkotvolle,
es bleibt der Helle zu Fressendes.
Zahnlos rieselt der Schnee: Be-
friedigung. Die Radiobatterie
wird 70. Stirbt auf der Hühnerbühne.
Draußen, das Motorrad im Unterstand,
das Hühner nie fuhren, die Manager der Band:
Hühnerstall-Engel auf beschissener Maschine.
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XXVI
Was könntest Du, der Größte
des eigleichen Andersseins, dem Kuß-
geräusch entnommen haben, als die Guß-
form des Anderen sich von dir löste?
Dem kurzen Saugen, als das Allerhöchste,
das All-ums-Eine dich zum Schluß
entließ, der ganze Überdruß,
weil sich dein Anderssein nicht löste?
Du federleichter Schulterer hoch drei,
nun bist du frei.
Es gibt kein Rückwärts mehr ins Andere.
Du bist nun fremd,
ein heimliches, flanierendes Moment,
so anders, daß nur eins hilft: ändere!
XXVII
Der Sekundenzeiger der Uhr an der Wand.
Dieser verstörte Hund, an den Pflock geleint.
Alle verschwunden, wie es scheint.
Das Haus ist niedergebrannt,
bis auf den Meeresgrund.
Ein schwarzer Schild. Es glimmt
was auf und brennt und verschwimmt.
Hektik im tiefen Radarschirmrund.
Von hier aus scheint die Bewegung
regelhaft. Getaktete Erregung,
abgetrennt vom Grund.
Zerfälle und Abstraktionen. Wohnzimmerbefund.
Es dreht sich eine lange Weile im kleinen Abendland
der Sekundenzeiger der Uhr an der Wand.
XXVIII
Nach der Geschichte, die Reste. Verpackungen.
Zerläufe von Tusche. Made in... Die
Hörrohre eisiger Luft, sie
lauschen den Eierschalen, den eckigen Stücken.
Berge, in denen das riesige Vorrücken
von Fußstapfen widerhallt wie
Echos einer Toten-Kompanie:
Gegnicker eines Taubblinden auf Krücken.
Schuttfelder und die stillen Beziehungen
des Herumliegenden: Überdehnungen.
Zerläufe von Wimperntusche. Überall
aufgebrochene Augen. Sturmschritte um die
gnickernde, blinde, krückengestützte Mitte.
Echoland. Über-All – Überfall – Über-All.XXIX
Ich träume, also bin ich – dreh mich um.
Wer bin ich, wenn nicht Teil in einem Speicher,
gespeichert – und der Speicherer ist reicher
als der Gespeicherte: wie dumm.
Ich träume und im Traum dreh ich das um:
Der Speicherer wird Stück für Stück mir gleicher
und Stück für Stück gespeicherter und bleicher.
Dann reißt der Traum. Ich wache auf. Wie dumm.
Wie bleich ich bin. Wie triste das Drumrum.
Wie wach bin ich? Wie miterwacht und stumm
die Mitternacht drumrum? Ist das nun Strafe?
Ist niemand da? Der dichtgepackte Raum
nur Speicherei des Speicherers? Der Traum,
was mag er zeigen, wenn ich weiterschlafe?
XXX
Wir fühlen die Züge der Düfte im Kreuz-Schacht:
das Schleichen im Boden, im Einbaum mit Vierung;
in Querhaus und Langhaus distanter Tor-Türung;
wir höhlen und schwärzen die Holzwand mit Brandnacht.
Wir spüren im Durchgang, daß draußen sich aufmacht,
was drinnen in heimlicher, dunkler Durchquerung
und rauchgleich, nach kunstvoller Wind-Dirigierung,
in Stoffen zusammenfällt, flieht, sich vervielfacht.
Die Mitte der Vierung, die schwarze Verführung,
die Züge von Venusberg-Fliegen-Zentrierung
an Rosen von blendweißer Aschewurf-Dauer;
sind Teller und Totpunkt und Quellen von Luft,
ein wimmelndes Opfer im Kreuzpunkt der Gruft:
ein Tierleib süß-sau-katalytischer Schauer.
XXXI
Wo man hinschaut, nichts als Gegend,
Bananen hält sie hoch, vielleicht.
Du nahst dich rasend, und sie weicht
zurück, bedächtig, eierlegend.
Weiß Geflecktes, Blau umliegend:
ein Blau, das in die Tiefe reicht,
und den, der dessen Schiffswand streicht
auf Abstand hält – ihm Händchen gebend.
Wo man hinschaut zeigen Pixel
Weite, Größe, Nichtsgetricksel:
Nirgends wiegt sich Pulverdampf.
Hoch im Blauen: Wolkenzüge,
großer Bahnhof, Blick und Lüge.
Tief im Kleinen liegt Mein Kampf.
XXXII
Herzköniginnenfarkt. Schnellerdur-
ammler. Ich weiß nicht, wer soll es
debeuteln, unruh ich volles
Programm: nur Balder: Kängur!
Pfotentote auf der Taschen-Tour,
Ichmus! Ichmus! Nur kleines
Trampln, Erdbefederbären, helles
Bierinnen Carninchen-Darfur.
Unruh ich nur, schreit
halsschnittartig Keinezeit, die
Omacht, Muttertür, Feuerfrei!
Asshologramm in einem anderen
Weißnicht. Fake die Königin! Doch
über allen Gipfeltreffern was der Durchfall ist.
XXXIII
Friedliche Rose, wirst mich totmachen.
Leersaugen wirst du mich. Ich werde
unter dir liegen, in Friedhofserde,
Rosenferkel sattzumachen:
ich tote Rosensau den kleinen Rachen
tiefer Wurzelsauggebärde.
Du bist geduldig, Rose: Rosenmorde
sind Wartesachen.
Dein Kumpel die Distel,
dein Kumpel die Mistel
sind harmloser als du.
Zartrosa bist du. Gott: Rose,
Scheinwaffenlose,
Blut ist im Schuh.
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XXXIV
Auschwitz ist eine Photoplatte. Immer wieder belichtbar.
Immer wieder mißverstanden wird diese Aussage werden. Wie:
Entenhausen ist Auschwitz. Sie werden durchs Tor gehen. Sie
werden heraustreten. Wieder und wieder unfaßbar.
Auschwitz ist eine Fotoplatte. Du sollst dir kein Bild machen. Er-
greift diese Platte wieder und wieder ein solches Bild. Sie
zeigt die schönsten Bilder. Die schrecklichsten zeigt sie nie.
Das Stehenbleiben seit der ersten Belichtung. Sie zeigt es weiter.
Das Stehenbleibenlernen. Das Weitergehen aus Hüllen.
Das Steckenbleiben im Festgehaltenen. Das Brüllen
der Tiere in viel zu engen Menschenhäuten.
Gefängniszellenteilen. Das Löschen der Lichter in
silberbildenden Nicht-mal-Bildern der Auf-Bilder-Richter.
Am Ende. Wenn die Farben in die Toten gleiten.
© Thomas Krüger, Juli 2009 - Juni 2010
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